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25.11.2010 | Set-Ups
Trade No. 25 - K + S (Dax)
Wie ist es möglich, dass Trader, die (diskretionär) grundsätzlich gleich agieren, unterschiedliche Resultate erzielen? Diese Frage ist eigentlich gar nicht so schwer zu beantworten, wenn man sich schon ein wenig länger mit den Märkten beschäftigt. In jedem Fall müssen wir etwas tiefer in die menschliche Seele hineinblicken, denn alleine am Chart oder am Set Up kann es nicht liegen. Ich denke, dass da vielmehr bestimmte Gedankenmuster oder Glaubenssätze am Werk sind, und was das für einen Trader bedeutet, das sehen wir in diesem Beitrag.
Dazu möchte ich Ihnen einen Mustertrade präsentieren, der nicht von mir sondern von einem meiner Klienten gemacht wurde, und und ich fand diesen Trade in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Als wir in der letzten Coaching Einheit den Track-Record durchsahen, stach mir dieser Trade mit einer Haltedauer von 15 Tagen sofort ins Auge. 15 Tage! – bei einer sehr engen und damit aggressiven Stoppsetzungsstrategie. Das verlangte eine nähere Betrachtung!
Natürlich sind solche Trades selten. Es gilt, Swings bei Aktien zu erwischen, die ein sehr starkes Momentum (oder viel Rückenwind) haben. Dabei darf nach dem geglückten Entry in weiterer Folge weder das Hoch noch das Tief – je nach Handelsrichtung – der jeweiligen Vorperiode durchbrochen werden. Wird der Stopp “End of Day” (oder intraday – je nach Taktik) jeweils an das vergangene oder aktuelle Periodenhoch oder -tief nachgezogen, kann man hin und wieder jedoch durchaus von solchen extremen Kursverläufen wie bei diesem Mustertrade profitieren. Das ist die fachliche Sicht der Dinge, aber ist das wirklich alles so simpel?
Die mentale Komponente ist ein wenig vielschichtiger zu beantworten.
Wenn Sie als Trader aufgrund Ihrer Talente eine Haltedauer von im Schnitt einer Handvoll Perioden bevorzugen, und dann mit so einem Kursverlauf konfrontiert werden, gehört schon einiges dazu, die Gewinne laufen zu lassen. Sie stoßen dabei auf eine Grenze, auf eine mentale Barriere, die nur mit Disziplin und in weiterer Folge mit enormer Gelassenheit überwunden werden kann. Was dabei in einem vorgeht?
Lassen wir meinen Klienten, Hans Joachim Leysing, selbst zu Wort kommen und ihn erzählen, wie er über diesen Trade – rückblickend gesehen – denkt.
Von Hans Joachim Leysing
K+S hatte einen schönen, bilderbuchmäßigen Aufwärtstrend hingelegt. Bewegung und Korrektur wechselten sich ab. Eine Korrektur endete am 20.10.2010 mit einem Hammer. Ein schönes Einstiegssignal Long!

Da ich beruflich sehr eingespannt bin habe ich schon am 20.10. einen Kaufauftrag eingegeben, mit Stopp Buy knapp über dem Hochpunkt des 20.10. Das Risiko betrug 1,71 %. Wenn der Einstieg klappt, wollte ich die Stopps immer auf die folgenden Tiefpunkte der Bars nachziehen.
Am 21.10 wurde ich eingestoppt. An den Folgetagen habe ich die Stopps immer wieder auf die Tagestiefs wie geplant nachgezogen. Bis zum ersten roten Bar kein Problem. Dann kam mir der Satz in den Sinn: Stopps bei Longtrades nur nachziehen, wenn es grüne Bars sind, und umgekehrt. Ich musste etwas mit mir ringen, habe aber dann den Stopp nicht auf den Tiefpunkt des roten Bars nachgezogen, sondern unverändert gelassen.
Zum Glück kam an nächsten Tag wieder ein grüner Bar und ich konnte den S.L. nachziehen. Beim nächsten roten Bar das gleiche Problem. Nachziehen oder unverändert lassen? Es war schwer, aber ich hielt mich weiter an den Satz, Stopps bei Longtrades nur bei grünen Bars nachzuziehen.
Nach 15 Tagen Haltedauer und konsequentem Umsetzen des (B-)Plans wurde ich dann am 10.11. ausgestoppt. Am 09.11. deutete sich das schon mit einem schönen Umkehrstab Short an. Ich habe auch überlegt, ob ich diesen Bilderbuch Umkehrstab Short handeln soll. Nach einer schönen Aufwärtsbewegung, an der ich gut verdient hatte, den Umkehrstab als Einstieg Short zu nutzen. Leider habe ich es nicht gemacht. Warum kann ich nicht sagen, aber bei dem jetzigen Chartbild am 11.11. sehr ärgerlich.
Von Hans Joachim Leysing
Resümee (von Thomas Vittner)
Lesen Sie oben bitte zwischen den Zeilen. Bemerken Sie die mentale Stärke und die Gelassenheit, die da mitschwingt? Selbst der trockene Hinweis zum Schluss, dass sich Hans Joachim ärgert, nicht short gegangen zu sein, ist nicht wirklich in einem zornigen sondern eher in einem sachlichen Ton verfasst. Es muss einem schon rundherum gut gehen, um sein Trading auf diese Art und Weise zu betrachten.
Obwohl Hans Joachim viel Stress im Job hatte, fühlt er sich wohl beim Trading. Er achtet nicht auf die vergangene Performance sondern tradet im hier und jetzt. Beim Trademanagement unterlässt er es weiters, die Zukunft vorwegnehmen zu wollen. Hier heißt es : aufhören mit dem Denken! So komisch das klingt, zu viel Denken schadet in dieser Situation. Die “was wäre wenn” Spielchen machen einen sonst wahnsinnig.
Wenn Sie es lernen, jeden Trade isoliert zu betrachten, und sich von vergangenen Resultaten und von den zukünftigen Möglichkeiten nicht den Kopf verdrehen lassen, dann sind solche Trades möglich. Nicht jeden Tag – aber oft genug, um die Performance letztlich in den grünen Bereich zu bringen.
Ängste und Glaubenssätze (“du darfst nicht erfolgreich sein, verdiene dein Geld “vernünftig” und nicht an der Börse”) sind innere Saboteure, die uns oft die Suppe versalzen. Lernen Sie durch gezieltes Mentaltraining, Ihre Stärken zu forcieren und sich mit Ihren Schwächen zu arrangieren. Das bringt mehr wie das Studium von weitern X Büchern über technische Analyse.
Die Antworten, die Sie suchen, sind in Ihnen selbst verborgen – nicht in den Chartbildern. Egal ob Sie Systemtrader oder diskretionärer Händler sind: mentale Stärke ist das A & O im Trading. Und die gute Nachricht lautet: an dieser Stärke kann man arbeiten, wenn man weiß, wie das geht!
Seminartipp: Mentalcoaching für Trader – Inner Strenght (Stuttgart, 11. – 13 März): Details zu dieser Veranstaltung sowie eine Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier
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