28.12.2009 | Psychologie

Weihnachtsstimmung

Als ich diese Zeilen verfasst habe, schreiben wir den 23. Dezember 2009. Gerade kam ich vom Fitness Center nach Hause, und am Heimweg machte ich noch die eine oder andere Besorgung im Supermarkt. Unterwegs fiel mir auf, dass die Leute zwar ein wenig hektisch waren, aber gleichzeitig merkte ich auch, …

… dass man freundlicher miteinander umging als sonst. Da hatte man doch einer alten Dame die Türe aufgehalten, die man sonst vielleicht „übersehen“ hätte. Auch dem Obdachlosen wurde vielleicht eine Zeitschrift abgekauft, und „Frohe Weihnachten“ gewünscht, durch den man an anderen Tagen einfach hindurch gesehen hätte.

Auch bei mir war irgendetwas anders als sonst. Seit Tagen hatte ich so ein „komisches“ Gefühl in mir, dass ich nicht erklären konnte. Ich meine, erklären konnte ich es schon, aber ich kannte die wahren Gründe dieser Emotion nicht. Das Gefühl, dass mich seit Tagen festgehalten hatte, war die so genannte „Weihnachtsstimmung“. Ich weiß nicht, wo dieses Gefühl plötzlich herkam, auf einmal war es da, und wie immer, wird es auch plötzlich wieder verschwunden sein. Eigenartig, denn schließlich hatte ich ja nicht absichtlich beschlossen, plötzlich in Weihnachtsstimmung fallen zu wollen!

Im Gegenteil! Als ich Mitte November aus Australien zurückkehrte, hatte ich null Bock auf die nahende Advents- und Weihnachtszeit. Zu frisch waren noch die Eindrücke von Sommer, Sonne und Meer und an den kalten Winter, an Schnee und an den Weihnachtsmann wollte ich schon alleine aus Protestgründen (der Urlaub war ja schließlich vorbei) nicht denken. Doch irgendwie war mir das nicht so gut gelungen, und nun war ich mittendrin in der ganzen Action. Zu hübsch waren die Geschäfte geschmückt, zu nett manche Weihnachtsmusik oder zu romantisch der eine oder andere Christkindlmarkt, um dagegen immun zu bleiben. All diese Impressionen konnte ich, auch wenn ich wollte, nicht ignorieren, und so packte mich schließlich doch noch die Vorfreude auf das nahende Fest.

Das gleiche Phänomen erlebe ich am 25. Dezember in der Früh. Ich wachte auf und – Peng – plötzlich fehlt da etwas! Die Weihnachtsstimmung ist dahin. Aber wie kann etwas von einem Tag auf den anderen da und wieder weg sein? Wer hält mich da zum Narren und stiehlt mir diese wunderschönen Gefühle? Kann die Weihnachtsstimmung nicht das ganze Jahr über da sein? Das wird natürlich ein Wunschtraum bleiben, dass ist mir schon klar. Aber trotzdem beschäftigt mich eine interessante Frage:

Warum haben die Umwelt und gewisse Sinnenswahrnehmungen einen derart großen Einfluss auf uns? Warum beeinflussen uns, um nun zum Trading zu kommen, unsere Stimmungen auch bei diesem Geschäft? Weshalb könnte es ungünstig ausgehen, wenn Sie einen Streit mit Ihrem Partner hatten, und sich dann an die Handelsplattform setzen? Natürlich ist nicht auszuschließen, dass Sie auch in so einer Situation gut traden und Gewinne machen. Aber kann es nicht auch sein, dass Sie sich dort die Bestätigung suchen, die Sie im Alltag nicht finden? Ist es möglich, dass Sie sich am Markt für das Rächen wollen, was Sie heute im Büro erdulden mussten? Wäre es denkbar, dass sich Ihre Euphorie aufgrund eines erfolgreich abgeschlossenen Projekts auch auf Ihr Trading abfärbt, Sie deswegen übermütig werden, und vielleicht deswegen ein unnötiges Risiko eingehen?

Das kann nicht nur so sein, in den meisten Fällen wird es so sein. Auch ich kann nicht einfach den Schalter umlegen, und es gibt Tage, wo es mir mental nicht so gut geht. Oft merke ich das an mir selbst gar nicht, ich bemerke es an der Art und Weise, wie ich trade. Komme ich rechtzeitig drauf, beende ich oftmals den Handelstag. Bin ich bereits positioniert und merke, dass ich mich mit dem Markt anlegen will, drehe ich rasch die Handelsplattform ab. Natürlich prüfe ich vorher, ob alle Positionen sauber abgesichert sind. Aber sobald ich spüre, dass ich unrund bin, versuche ich dagegen vorzugehen. Doch nicht alle Trader kennen sich und ihr Handeln so gut, um von alleine draufzukommen, dass eine kleine Auszeit für sie besser wäre.

Deshalb denke ich, ist es gerade für einen angehenden Trader wichtig, ein Tagebuch zu führen. Ein Handelsjournal ist natürlich essentiell, dass steht außer Zweifel, auch wenn ein Einsteiger im Regelfall gar keine Lust darauf hat. Trotzdem sollten Eckdaten zum Trading von Beginn an erfasst werden, sonst wissen Sie nicht, wo Sie in Ihrer Entwicklung gerade stehen. Die wenigsten Trader führen hingegen ein Mentaltagebuch. Doch gerade dabei handelt es sich um eine unerlässliche Schatzkammer. Gleichen Sie dieses Tagebuch mit Ihrem Datenmaterial ab, werden Sie bestimmt Parallelen finden.

An Tagen, wo Sie sich aus welchen Gründen auch immer nicht gut fühlen, wird auch Ihr Trading schlecht laufen. Sind Sie hingegen gut drauf, wird im Normalfall auch das Trading klappen. Dabei denke ich in erster Linie gar nicht an die Performance, denn auf die hat man oft gar keinen echten Einfluss als Trader. Ich meine vielmehr die Art und Weise, wie Sie denken und wie sauber Sie handeln. Bei mir war und ist es in jedem Fall so: Geht es mir gut, trade ich gut. Geht es mir schlecht, trade ich verkrampft und hole nicht das aus meinem System, was möglich wäre.

„Trading is a mind game“ – an diesen Spruch muss ich immer wieder denken. Gerade an Weihnachten wird mir das wieder mehr denn je bewusst. Die Stimmung, in der Sie sich befinden, kommt von Innen und nicht von Außen. Weihnachten kann keine angenehmen Gefühle in uns auslösen, nur Sie selbst können das. Ein Trade, der ins Minus rutscht, kann Ihnen keine Angst machen, die Angst ist in Ihnen. Hören Sie in sich hinein, dokumentieren Sie das Gehörte und lernen Sie daraus. Natürlich nicht nur an den Weihnachtsfeiertagen.

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