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22.09.2009 | Psychologie
Rache
Wir haben uns bereits mit dem größten Fehler eines jeden Spekulanten auseinandergesetzt: mit der unterlassenen Risikokontrolle. Doch handelt es sich hier nur um einen von vielen Fehlern, die im täglichen Handel passieren. Es gibt noch ein weiteres Malheur, auf das ich nun etwas genauer eingehen möchte …
Auch dieser Fehler kostet einen Spekulanten viel Geld, ohne dass er sich dieser Tatsache vielleicht bewusst ist. Es geht darum, es dem Markt heimzahlen zu wollen. Kurz gesagt: es geht um Rache!
Betrachten wir folgende Situation, um diesen Tradingfehler zu beschreiben und die dahinter liegenden Ursachen ans Licht zu bringen. Unser Spekulant hat eine ganz bestimmte Aktie im Visier. Es ist die Aktie von Daimler und dem Trader fällt auf, dass dieser Wert schon dreimal an einer Widerstandslinie abgeprallt ist und diese Kursmarke einfach nicht durchbrechen konnte. Er fasst daher den Plan, diese Aktie long zu handeln, wenn dieser Widerstand um ein halbes Prozent nach oben hin durchbrochen wird, weil er dann annimmt, dass es dieses Mal so weit sein könnte und der Wert nun in den Himmel steigt.
Da der Trader sehr gewissenhaft agiert und strengstes Moneymanagement praktiziert, hat er im Vorfeld auch seinen Stoppkurs festgelegt. So kennt er die genaue Positionsgröße und weiß, genau xx Aktien kaufen zu dürfen, um sein maximales Gesamtrisiko nicht zu überschreiten. Geduldig beobachtet unser Trader, wie sich der Wert erneut langsam diesem Widerstand nähert und eine halbe Stunde später ist der geplante Kaufkurs dann tatsächlich erreicht.
Alles was jetzt noch zu tun wäre ist, auf „kaufen“ zu klicken. Doch unser Spekulant schafft es nicht. Er ist unsicher und zögert. Während die Sekunden verstreichen steigt die Nervosität des Trades weiter. Der Kurs schreit ihn förmlich entgegen doch der Finger des Traders bleibt gelähmt. Das Zeitfenster schließt sich und die Aktie marschiert weiter nach oben und noch immer starrt der Trader auf den Bildschirm, ohne eine Handlung zu setzen. Der Kurs geht weiter hinauf, der Abstand vom geplanten Einstiegskurs wächst auf +1%. Später auf +2% und dann sind es sogar +4%. Die Aktie explodiert regelrecht nach oben und der Trader beobachtet fassungslos das Treiben. Langsam erwacht er aus seiner Starre aber anstatt den Trade ziehen zu lassen steigen nun die Emotionen in ihn hoch. Er kocht vor Wut und zählt geistig bereits die nicht verdienten Gewinne.
Sein Zorn richtet sich auf den Markt denn er denkt, die Börsen hätten ihm um seinen sicheren Gewinn gebracht. Er schäumt und beschließt, sich dafür zu rächen. Er will sich um jeden Preis das zurückholen, was ihm seiner Meinung nach zusteht. Sein Geld, dass ihm eben von den Börsen vorenthalten wurde. Doch in seiner Wut vergisst er, dass es einen Markt als Person oder Einheit ja gar nicht gibt und das die Kursbewegung bloß von den vielen getätigten Geschäften herrührt, die während einer bestimmten Handelsspanne getätigt wurden. Der Markt ist daher unschuldig an seinem eigenen Verhalten. Doch das kümmert unseren Trader nicht und er springt (zu) spät auf den losbrausenden Zug auf und kauft die Aktie zu einem gut 4% höheren Kurs.
Doch genau zu diesem Zeitpunkt dreht die Aktie und sinkt. Konstatiert versucht der Trader nun, den Ticker zu beschwören doch seine Versuche bleiben ungehört. Es geht weiter nach unten und die Papierverluste werden größer und größer. An einen Stopp wurde in dieser Situation natürlich nicht gedacht und so endet es, wie es enden musste. Aus dem vorher kalkulierten Verlust von „1R“ wird das doppelte oder dreifache. Und alles wegen der Gier und den Rachegelüsten. Wenn Sie sich in so einer Situation rächen wollen dann tun Sie es. Bestrafen Sie sich in irgendeiner Form für diesen Tradingfehler. Verzichten Sie auf das Abendessen oder laufen zwei Stunden statt einer. Und schalten Sie nach so einem Fehler am besten ihren Computer aus, sonst bestrafen Sie sich mit unangebrachten Mitteln: Mit schlechten Trades!
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