03.12.2009 | Investing

Serie "Der Geschäftsbericht" Teil 9: Der Anhang

Der Anhang („Notes“) ist im Regelfall der umfangreichste Teil des vorgelegten Geschäftsberichts, wenn man die vermeintlich unentbehrlichen „Bilderbuchseiten“ unberücksichtigt lässt.

Von Prof. (FH) Dr. Hans Röhrenbacher

Er beinhaltet insbesondere Erläuterungen zu den Kernelementen Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung und Eigenkapitalveränderungsnachweis. Leider setzen die detaillierten Erläuterungen oft gute Kenntnisse in den Bereichen Buchhaltung, Bilanzierung und Finanzierung voraus.

Dennoch kann sich das Durchblättern des Anhanges lohnen, weil bekanntlich auch mit dem Hausverstand interessante Sachverhalte erkannt werden können: So findet man im Geschäftsbericht der Porr AG für das Jahr 2007, dass – zusätzlich zu einer klassischen Anleihe (Volumen 70 MioE) – über eine Tochtergesellschaft obligatorische (!) Genussscheine (ebenfalls im Volumen von 70 MioE) begeben wurden, die unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen dem Eigenkapital zugerechnet werden dürfen.

Die Gesellschaft hat damit die buchmäßige Eigenkapitalquote – mit einem Fremdkapitalinstrument und im Einklang mit den rechtlichen Vorschriften – von 16 auf 20 % erhöhen können. In diesem Zusammenhang ist es auch nicht überraschend, dass (auch) 2007 der Finanzierungsaufwand höher als der Konzern-Gewinn ist.

Bei der Lenzing AG ist im Jahr 2007 der Eigenkapitalan-teil von 52 % auf 45 % zurück gegangen. Wie aus dem Cash flow statement entnommen werden kann, gab es im abgelaufenen Jahr allerdings einen neuen „Cash-Rekord“: Der Cash flow aus der operativen Tätigkeit stieg um fast 40 % auf 223 MioE.

Damit konnte die Gesellschaft Investitionen von rund 266 MioE fast zur Gänze mit dem erwirtschafteten operativen Cash flow finanzieren. Der Investitionsschub ist u. a. auf Unternehmenserwerbe zurück zu führen, die 2007 zu einer Aktivierung eines Firmenwertes in Höhe von 75 MioE geführt haben, die hoffentlich auch in den Folgejahren werthaltig sind und jeden Impairment- Test überstehen werden. Der Börsenkurs der Rosenbauer International AG ist 2007 im Vergleich zum Vorjahr stark gesunken. Ende 2006 notierte die Aktie mit 100,00 E, Ende 2007 nur mehr mit 32,80E.

Ein Blick in den Anhang zur Erläuterung des Eigenkapitalbereichs zeigt aber, dass der Kurs keinesfalls einem dramatischen Rückgang unterworfen war, weil im Jahr 2007 im Zusammenhang mit einer nominellen Kapitalerhöhung eine Aktienteilung im Verhältnis 1:4 durchgeführt wurde. Für eine Rosenbauer-Aktie hat jeder Aktionär drei weitere Aktien erhalten, somit hat dadurch kein Aktionär Vermögen oder Einfluss verloren; der Kurs pro Aktie sinkt durch diese Maßnahme (theoretisch) auf ein Viertel. Es zeigt sich, dass das Studium des Anhangs durchaus interessante Erkenntnisse bringen kann.

Fortsetzung folgt!


Prof. (FH) Dr. Hans Röhrenbacher
Internet: www.roehrenbacher.at
Mail: office@roehrenbacher.at


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