15.09.2009 | Investing

Serie "Der Geschäftsbericht" Teil 7: Die Kapitalflussrechnung

In der Kapitalflussrechnung (Cash flow statement) wird der Einnahmenüberschuss
des abgelaufenen Jahres in seiner Entstehung und Verwendung dargestellt. So wie der Gewinn den Eigenkapitalbestand erhöht, so vermehrt ein positiver Total Cash flow den Liquiditätsbestand der Gesellschaft.

Von Prof. (FH) Dr. Hans Röhrenbacher

Die Ableitung erfolgt über drei Bereiche, bei denen jeweils eine Saldierung der
bereichsspezifischen Einnahmen und Ausgaben erfolgt. Der erste Bereich bezieht sich auf den operativen Einnahmenüberschuss. Dieser ergibt sich bei Gegenüberstellung
aller Einnahmen und Ausgaben, die nicht (!) in den anderen Bereichen auszuweisen sind. Im Wesentlichen werden im operativen Cash flow die Einnahmen aus Verkäufen der betrieblichen Leistung abzüglich der betrieblichen laufenden Ausgaben ermittelt.

Technisch gesehen wird der operative Cash flow eines Konzerns ausgehend vom Konzernergebnis berechnet, indem unbare Aufwandspositionen (z. B. Abschreibungen!) addiert und unbare Erträge subtrahiert werden. Da mit dem Cash and cash equivalents ein enger Liquiditätsbegriff vorgeschrieben ist, sind auch die Veränderungen der kurzfristigen Aktivposten, insbesondere kurzfristige Forderungen,
Vorräte, aber auch Veränderungen der kurzfristigen Passivposten (insbesondere
Verbindlichkeiten LL, erhaltene Anzahlungen, kurzfristige Rückstellungen) zu berücksichtigen.

Der zweite Bereich betrifft die Einnahmen und Ausgaben aus dem Investitionsbereich. Der Investing Cash flow ist im Regelfall negativ, weil den Investitionsausgaben für Neuanschaffungen normalerweise nur geringe Einnahmen aus dem Verkauf gebrauchter Anlagen gegenüberstehen. Positiv wird der Investing Cash flow möglicherweise dann sein, wenn eine Beteiligung oder Grundvermögen im Geschäftsjahr zahlungswirksam verkauft wurde.

Der dritte Bereich bezieht sich auf die Zahlungsströme von den Kapitalgebern an die Gesellschaft bzw. von der Gesellschaft an die Kapitalgeber. Einzahlungen von den Eigenkapitalgebern sind z.B. Kapitalerhöhungen, Zuschüsse und Agio-Beträge. Diesen Zuflüssen stehen entsprechende Dividenden und ev. Kapitalrückzahlungen gegenüber. Hinsichtlich der Fremdkapitalgeber fließen Mittel aus gewährten Darlehen zu bzw. Tilgungsbeträge ab.

Total Cash flow

Die Summe der drei Cash flows über die drei Bereiche ergibt den Total Cash flow, der – sofern positiv – zu einer Erhöhung der liquiden Mittel („Cash and cash equivalents“) führt. Die Kapitalflussrechnung ist eine wichtige Ergänzungsrechnung, weil es bei ihr um tatsächliche Zahlungen geht und nicht um leicht manipulierbare Auf- oder Abwertungen. Nach dem Motto „Cash is king“ ist es beruhigend, wenn der Operating Cash flow einen negativen Cash flow from investing activities abdeckt. Der positive Überschuss wird auch als Free Cash flow bezeichnet.

Ein äußerst problematisches Bild liegt dann vor, wenn der Cash flow from operating activities negativ ist. Dann kann die Gesellschaft nicht einmal die laufenden Ausgaben abdecken, geschweige denn die Investitionsausgaben finanzieren. An
Dividenden ist in solchen Fällen kaum zu denken.

Fortsetzung folgt!


Prof. (FH) Dr. Hans Röhrenbacher
Internet: www.roehrenbacher.at
Mail: office@roehrenbacher.at


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