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10.08.2009 | Investing
Serie "Der Geschäftsbericht" Teil 6: Die Bilanz
Die (Konzern-)Bilanz beinhaltet eine Gegenüberstellung des bewerteten Vermögens
mit dem bewerteten Fremdkapital; die Differenz ergibt das Eigenkapital (Rein-vermögen, Equity, Net Asset Value), das auch als Netto-Vermögen bezeichnet werden könnte.
Von Prof. (FH) Dr. Hans Röhrenbacher
Die Höhe des Eigenkapitals als Differenzgröße ist von der Bewertung des Vermögens und des Fremdkapitals abhängig.
Insbesondere die Rückstellungen sind einer genauen Untersuchung zu unterziehen.
Aber auch Umwertungen im Vermögen sind misstrauisch zu würdigen. Hier liegen in der Praxis de facto Bewertungsspielräume vor, die dem Management Manipulationsmöglichkeiten eröffnen, die aus dem Jahresabschluss nicht oder kaum ersichtlich sind.
Die Bewertung bezieht sich grundsätzlich auf den Bilanzstichtag! Das kann zur Folge haben, dass in der Bilanz per 31. 12. des Vorjahres Werte angesetzt werden (müssen), die von denen im Zeitpunkt der Bilanzierung (z. B. im April des Folgejahres)deutlich nach oben oder unten abweichen können. Die Bedeutung eines hohen Eigenkapitalanteils, verstanden als Quotient von Eigenkapital zum Gesamtvermögen (oder auch zum Gesamtkapital), muss in der aktuellen Börsensituation nicht weiter erläutert werden. Die Krise relativ unbeschadet überwinden werden wohl „die Fetten und die Fitten“, also die Gesellschaften mit einem hohen Eigenkapitalanteil bzw. jene, die über eine gute Kosten und Ertragssituation verfügen.
Interessant ist auch die Analyse des Zustandekommens des Eigenkapitals: Das Grundkapital entspricht dem bei der Gründung bzw. bei Kapitalerhöhungen einbezahlten bzw. durch Sacheinlagen aufgebrachten Kapital. Rücklagen können durch Gewinneinbehaltung entstanden sein („Gewinnrücklagen“ aufgrund von Thesaurierung) oder auf Kapitalzuführungen von Gesellschaftern zurückzuführen sein, die nicht das Grundkapital erhöht haben („Kapitalrücklagen“, wie z. B. das Agio bei einer Kapitalerhöhung). Eine gute Vergangenheit ist somit insbesondere an der Höhe der Gewinnrücklagen zu erkennen.
Wie der Netto-Gewinn in der Gewinn und Verlustrechnung, so ist auch das Eigenkapital in einer Konzern-Bilanz aufzuspalten in einen Teil, der den Aktionären des Mutterunternehmens zusteht, und in einen Teil, der den Anteilen „anderer Gesellschafter“ zuzurechnen ist. Letztere sind Gesellschafter, die nicht am Mutterunternehmen, sondern an einer Konzerngesellschaft beteiligt sind.
Wertvolle Erkenntnisse können aus der Bilanz durch Quervergleich zwischen Aktiv- und Passivpositionen gewonnen werden („Liquiditätsanalyse“). So sollte bei produzierenden Gesellschaften das Umlaufvermögen, das kurzfristige Fremdkapital deutlich übersteigen. Nur dann ist die Differenz, das Netto-Umlaufvermögen („Net working capital“), positiv und eine mittel- und langfristig solide Basis zur Aufrechterhaltung der Liquidität gegeben.
Fortsetzung folgt!
Prof. (FH) Dr. Hans Röhrenbacher
Internet: www.roehrenbacher.at
Mail: office@roehrenbacher.at
Dieser Artikel erschien auch im Börsen – Kurier. Möchten Sie den Börsen – Kurier für 4 Wochen gratis abbonieren? Folgen Sie bitte diesem Link (<- bitte klicken)
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