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12.07.2010 | Fachwissen
Wäre Krake Paul auch ein guter Trader?
Wir leben schon in einer skurrilen Zeit. Nur so ist es möglich, dass ein Tintenfisch zum Weltstar wird, weil er scheinbar Fußballergebnisse vorhersagen kann. Stellt sich die Frage, ob Paul nicht auch eine Karriere an der Börse einschlagen könnte. Vielleicht heuern ihn ja Goldman Sachs oder Superfund an?
Natürlich wissen vernünftige Menschen, dass Paul keinerlei hellseherische Fähigkeiten besitzt. Und obwohl Tintenfische angeblich sehr intelligent sind, weiß Paul auch ganz bestimmt nicht, was Fußball ist und es ist ihm darüber hinaus mit Sicherheit egal, ob Spanien oder die Niederlande Weltmeister werden. Trotzdem ist es schon erstaunlich, welche Trefferquote Paul derzeit hat, und daher wird das Ganze für uns Trader interessant.
Aber betrachten wir es mal nüchtern: Pauls Chancen, auf die richtige Mannschaft zu tippen stehen vor jedem Versuch 50:50. Schließlich muss es ja einen Sieger bei einem Spiel geben, und sogleich fallen uns die Parallelen zum Trading auf. Wenn Sie eine neue Position eingehen, steht es auch 50/50, ob der nächste Tick für oder gegen Sie ausfällt. Genau auf dieser Tatsache beruht auch mein Denken an den Märkten. Ich sehe die Grundwahrscheinlichkeit eines jeden Trades mit 50/50 und daher erlaube ich es mir, meine Analyse hinsichtlich des richtigen Timings (Entry) bewusst sehr lose auszulegen.
Das heißt aber gleichzeitig nicht, dass meine Trefferquote immer bei 50 Prozent liegt. Vielmehr schwankt diese stark und liegt in manchen Monaten bloß bei 30 Prozent, in anderen Monaten bei 60 Prozent (was übrigens beides nichts über die Performance aussagt). Wie das möglich ist? Die Trefferquote wird letztlich durch die Marktvolatilität bestimmt (steigt die Vola, sinkt im Normalfall die Trefferquote und umgekehrt) und daher ziehen viele Trader diese Vola für die Initialtstoppsetzung heran. Da ich keine guten Erfahrungen mit diesem Vorgehen gemacht habe, verwende ich für meine Stopps die Charttechnik (Hoch und Tief der Kerzen).
Würde man hingegen mehrere Trades bei korrelierenden Finanzinstrumenten über einen Zeitraum von X Tagen ohne Stopp sowohl long und short zeitgleich platzieren, müsste man in der Unendlichkeit nach meinem Marktverständnis eine Trefferquote von 50 Prozent erreichen, was uns letztlich wieder zu Krake Paul führt. Paul wird, da bin ich sicher, wenn er nur lange genug weitertippen darf, auch irgendwann bei einer Trefferquote von 50% landen. Vorausgesetzt, er wird alt genug und von den Deutschen nicht aufgegessen, wie es von manchen (Spinnern) nun tatsächlich gefordert wird (er sah ja auch die Niederlage gegen Spanien voraus).
Aber kommen wir zum Trading zurück und rufen uns erneut in Erinnerung, dass ich die Grundwahrscheinlichkeit immer bei 50 Prozent sehe, ob ein Trade klappt oder nicht. Weil ich so pragmatisch denke, sehe ich auch keinen Sinn darin, Stundenlang über den Charts zu brüten und die besten Entrys zu suchen. Doch diese sehr lose Gestaltung des Regelwerks ist bestimmt nicht jedermanns Sache, wie ich in den zahlreichen Seminaren bei anderen Tradern immer wieder feststellen musste.
Aber warum ist das so, warum kann ich aus mentaler Sicht mit einem sehr locker gefassten Regelwerk umgehen, ein anderer Trader hingegen nicht? Weil es auf Ihre Talente und auf Ihre Persönlichkeit ankommt. Wir alle haben bestimmte Charakterausprägungen: die einen sind zum Beispiel Dominant, besitzen viel Energie, sind pedantisch und ordentlich, darüber hinaus pragmatisch veranlagt und sehr sozial. Andere Menschen ticken genau anders herum, und da wundert es nicht, wenn zwei Trader mit dem gleichen Regelwerk unterschiedliche Resultate erzielen.
Stellt sich nun natürlich abschließend die Frage, wie man seine Talente erkennt. Es ist möglich, in dem man in sich hineinhört und sich intensiv mit sich selbst beschäftigt. Oder in dem man eine professionelle Talente Analyse erstellen lässt und sein Regelwerk dahingehend ausrichtet. Mehr dazu erfahren Sie in Kürze!
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