12.04.2010 | Fachwissen

Pressespiegel: Risikokontrolle, das A&O an der Börse

Für das Magazin Anwalt Aktuell schrieb ich folgenden Beitrag, den ich natürlich auch hier in der trading redaktion veröffentlichen möchte.

Wie bei jeder Beschäftigung, der man nachgeht, gibt es auch an den Börsen und im Trading einiges zu lernen. Überraschenderweise ist dieses Fachwissen jedoch ganz anders geartet, als es ein angehender Trader vermuten mag. Es kommt zum Beispiel weder auf den „richtigen“ Einstieg noch auf die „perfekte“ Stoppsetzung an. Beim Trading geht es in erster Linie darum, das Risiko zu kontrollieren und Wahrscheinlichkeiten für sich arbeiten zu lassen. Ein Teil dieses Risikomanagements beschäftigt sich mit der Frage, wie viel Geld ein Trader in einem einzelnen Trade riskieren darf. Wir sind somit beim Basiswissen für erfolgreiches Trading angelangt: beim Money- und Risikomanagement.

Obwohl periodische Verluste in diesem Geschäft etwas absolut Normales sind, müssen Sie darauf achten, sie so klein wie möglich zu halten. Kleine Verluste bedeutet, dass Sie Ihr Risiko genau kalkulieren müssen, und es bedeutet weiters, dass Sie in jedem Trade nur einen Bruchteil Ihres Gesamtkapitals riskieren dürfen. Diesen Betrag bezeichnen wir in Folge das „Einzelpositionsrisiko“ und wir sehen uns nun gemeinsam an, wie man es als Trader errechnet und in der Praxis anwendet.

In der einschlägigen Fachliteratur gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie hoch ein adäquates Einzelpositionsrisiko angesetzt werden sollte. Die Angaben für einen privaten Trader reichen hier von 0,5% – 3%. Grundlage dieser Berechnung bildet also das Gesamtkapital des Traders, und von diesem Betrag wird ein bestimmter Prozentsatz herangezogen. Die Wahl der richtigen Größe hängt jedoch nicht nur von der Risikofreude des Spekulanten, sondern auch von anderen Parametern wie der Signalhäufigkeit, der durchschnittlichen Haltedauer, der Initialstoppsetzung oder dem Gesamtpositionsrisiko ab, um hier nur einige Faktoren aufzuzählen.

Hat ein Trader zum Beispiel 10.000 Euro Startkapital und entscheidet sich für ein Einzelpositionsrisiko von 1%, ergibt sich daraus ein Betrag von 100 Euro je potentiellem Fehltrade. Ich stoße immer wieder auf angehende Trader, die mich verwundert fragen, wie das funktionieren soll. Wie kann man vor einem Trade schon wissen, wie viel Geld man maximal verlieren kann? Man weiß ja schließlich nicht, ob der Trade klappt oder nicht. Das ist natürlich korrekt, denn wir Trader können die Märkte nicht vorhersagen. Trotzdem planen wir bei einem Trade nicht nur den Einstieg genau, sondern machen uns auch vor der Eröffnung einer neuen Position auch Gedanken darüber, wo der Ausstieg erfolgen soll, wenn es nicht so läuft, wie geplant.

Um das im Vorfeld festgelegte Einzelpositionsrisiko nicht zu überschreiten, wird zunächst der Abstand zwischen Ein- und Ausstiegskurs errechnet. Im Anschluss wird der maximal tolerierte Gesamtverlust durch dieses Ergebnis dividiert, und daraus die Positionsgröße abgeleitet. Falls Ihnen das zu theoretisch war, sehen wir uns nun ein Beispiel aus der Praxis an. Dabei konzentrieren wir uns weniger auf den Frage, warum der Trade überhaupt gestartet wurde und verzichten auch auf eine genaue Interpretation des Chartbildes, obwohl der fachkundige Trader hier trotz unterbliebener Erläuterung die Chance auf einen Swing Trade auf der long Seite auch so erkennen wird.

Wir sehen hier den Chart von Metro aus dem DAX.

Der Trade wurde taktisch so angelegt, dass die Position beim Überschreiten des Hochs des Umkehrstabes (Kursniveau 39,89) am nächsten Tag long eröffnet wird. Der zweite Gedanke beschäftigt sich nun mit der Frage, an welcher Stelle Stopp 1 platziert wird, um das Verlustrisiko zu begrenzen. In diesem Fall entscheiden wir uns intraday für das aktuelle Tagestief bei 39,06. In Anbetracht der vorhin angeführten Rechnung, mit einer Tradingidee nur 1% des Kapitals, im konkreten Fall 100 Euro, zu riskieren, wird nun die Positionsgröße ermittelt und dabei werden folgende Überlegungen angestellt:

Das Risiko je Aktie beträgt 0,83 Euro (39,89 – 39,06 = 0,83). Da wir maximal 100 Euro riskieren möchten, dürfen wir genau 120 Aktien kaufen (100:0,83=120). Halten wir uns an diesen Plan, verlieren wir nicht mehr Geld, wie vorher kalkuliert wurde (exakt 100 Euro). Der Einfachheit betrachten wir bei dieser Rechnung weder Gebühren noch die Slipage (schlechte Kursausführung), in der Praxis sind das jedoch Faktoren, die sehrwohl eine Bedeutung haben.

Am Tag 1 wird die Position mit 120 Aktien long eröffnet, als der Kurs für einen kurzen Augenblick über die Einstiegsmarke läuft. Parallel wird mit einer Kettenorder der im Vorfeld definierte Stopp aktiviert, und somit ist der Trade abgesichert. Wir haben nun alles getan, was wir am Eröffnungstag für diese Position tun können. Leider läuft es in diesem Fall jedoch nicht wie geplant, und zu Handelsschluss notiert der Wert im Minus.

Am Tag 2 sieht es zunächst gar nicht schlecht aus, doch intraday wird der Stopp schließlich gerissen und somit ein Fehltrade verbucht. Da dieses Risiko im Vorfeld jedoch genau kalkuliert war, lässt uns dieser Verlust keine grauen Haare wachsen. Für uns zählt nur, dass der Trade sauber abgewickelt wurde, denn ein einzelner Fehltrade sagt nichts über erfolgreiches Trading aus. Was zählt, ist die langfristige Performance, und der einzelne Trade ist dabei unbedeutend.

Für einen angehenden Trader ist es unbedingt notwendig, dieses Denken zu verinnerlichen und die vorhin gezeigten Rechenvorgänge zu verstehen. Darüber hinaus muss er es aber auch schaffen, diese Richtlinien in der Praxis anzuwenden, was mental nicht immer einfach ist. Es handelt sich hier in jedem Fall um Basiswissen, welches für erfolgreiches Trading essentiell ist. Das Einzelpositionsrisiko ist eine der wichtigsten Komponenten eines stimmigen Gesamtsystems, andererseits aber auch nur ein Teil davon. Wenden Sie die in diesem Artikel beschriebenen Regeln konsequent an, haben Sie jedenfalls einen wichtigen Schritt auf der Straße des Erfolges getan. Nicht umsonst lautet eine alte Börsenweisheit: Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen. Handeln Sie auch danach!



trading redaktion · Thomas Vittner · Trading & Education · Bandgasse 33-41/19 · 1070 Wien
Design: Grafischer Dienst