29.09.2009 | Fachwissen

Milchkühe & Finanznachrichten

Britische Forscher haben herausgefunden, dass Kühe, die einen Namen tragen, glücklicher sind und deswegen mehr Milch produzieren als Kühe ohne Namen. Herkömmliche Milchkühe …

geben im Schnitt bis zu 9000 Liter Milch pro Jahr, doch bei Resi, Mitzi und Co. sind es um bis zu 250 Liter mehr pro Jahr, wie nun anhand einer Umfrage unter Milchbauern herausgefunden wurde.

Schöne Geschichte – und ich glaube auch nicht, dass an den Ergebnissen dieser Untersuchung etwas nicht stimmt. Ich bin jedoch der Meinung, dass hier bewusst Korrelation mit Kausalität verwechselt wird. Nicht nur in diesem Fall werden Daten ausgewertet und miteinander in Verbindung gebracht, die in Wahrheit nicht kausal sind – also nicht in ursprünglichem Zusammenhang miteinander stehen.

Doch warum erzähle ich von Kühen, und was hat das mit den Kapitalmärkten zu tun? Dazu möchte ich Ihnen eine Frage stellen: Warum steigt oder fällt ein Finanzinstrument an einem bestimmten Tag? Konkret: warum steigt oder fällt zum Beispiel die Aktie der Allianz? Wenn Sie nun beginnen, Gründe zu sammeln und Ihnen dabei Gedanken kommen wie: wirtschaftliche Lage, Bankenpleiten, Rettungspakete oder ähnliches, möchte ich Sie bremsen. Sie denken falsch! Diese Gründe klingen zwar alle logisch, doch sie sind nicht die wahre Ursache.

Ich möchte Ihnen nun ein Geheimnis verraten. Es gibt nur einen einzigen Grund, warum eine Aktie steigt: weil mehr Käufer als Verkäufer am Markt sind. Das ist alles! Umgekehrt ist es so, dass eine Aktie nur dann fällt, wenn mehr Leute verkaufen als kaufen. Dieses Überangebot kann von der Börse nur durch ein herabsetzen der Preise kompensiert werden. Die Märkte sind daher eine perfekt funktionierende, freie Marktwirtschaft, obwohl auch dieses System, wie man nun bemerkt, seine Schwächen hat. Trotzdem folgen die Börsenkurse einzig dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Lesen Sie daher in einer Zeitung die Überschrift: Der ATX ist heute aufgrund guter Konjunkturdaten um 2% gestiegen, handelt es sich um ein gut geschriebenes Märchen. Auch Schlagzeilen wie: „Zinsanhebung der EZB lässt den DAX abtauchen“ sind reine Erfindungen der Medien. Wenn Sie herausfinden möchten, warum sich ein Finanzinstrument an einem Tag X auf eine bestimmte Art verhalten hat, müssten Sie alle Käufer und Verkäufer anrufen und nach ihren Motiven fragen. Dann würden Sie erfahren, dass Hr. Müller seine Aktien verkauft hat, weil er dringend Geld benötigt hat, während Fr. Maier Wertpapiere kaufte, weil Sie Geld geerbt hat. Weil die Motive eines jeden Geschäfts individuell zu bewerten sind, würden Sie 100 oder mehr verschiedene Antworten erhalten, warum jemand ge- oder verkauft hat. Bei der Berichterstattung wird aber bewusst Korrelation mit Kausalität vertauscht, weil komplexe Sachverhalte auf diese Art vereinfacht dargestellt werden können.

Natürlich lassen sich mit Schlagzeilen wie: „Der Dax ist heute um 2% gefallen, weil weniger Käufer als Verkäufer am Markt waren“ keine hohen Einschaltquoten erzielen. In Wahrheit machen jedoch die Kurse die Nachrichten und nicht die Nachrichten die Kurse. Journalisten blicken auf die Märkte und versuchen nachträglich die passende Geschichte zu den Kursbewegungen zu schreiben. Wir Trader achten aber ohnehin nicht auf Nachrichten, obwohl sie natürlich einen gewissen Unterhaltungswert besitzen. Wir achten bloß auf das Verhalten der Kurse und positionieren uns dann, wenn die Wahrscheinlichkeiten auf unserer Seite sind. Wie man das macht, wissen aufmerksame Leser der trading redaktion ja bereits.

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