03.11.2009 | Fachwissen

Kopf oder Zahl?

Trading ist kein Glücksspiel. Aber Trading ist sehr wohl eine Art von Spiel: mit Wahrscheinlichkeiten und einem positivem Erwartungswert!

Stellen Sie sich vor, Sie wählen mittels Zufallsgenerator einen beliebigen Wert aus dem DAX oder dem ATX aus, und bestimmen mit einer Münze die Handelsrichtung (long oder short). Sie erwischen so die Aktie von Siemens und die Münze entscheidet, dass es ein long Trade wird.

Welches der beiden Ereignisse ist nun wahrscheinlicher? Das die Aktie unmittelbar nach dem Kauf um 1 Cent steigt oder fällt? Vergessen Sie hier die technische Analyse und versuchen wir stattdessen diese Aufgabe mit Hausverstand zu lösen. Die Antwort lautet: Die Wahrscheinlichkeit muss gleich groß sein. Ob ein Wert gleich nach dem Kauf um einen Tick steigt oder fällt liegt daher bei 50:50. Wenn das so ist, erweitern wir den Gedanken. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Wert nach dem Kauf um 1% steigt oder fällt? Die wieder logische Antwort lautet: ebenfalls gleich groß. Das geht auch mit Werten wie 2% oder 3% oder 10% etc. so weiter.

Das ist eine wesentliche Erkenntnis für einen Trader und daher spinnen wir diesen Gedanken noch ein wenig weiter. Wenn Sie ab heute bis Jahresende 100 Trades machen, kann man annehmen, dass 50 davon Gewinner und 50 Verlierer werden. Wenn man die Wahrscheinlichkeiten des vorigen Absatzes dazu heranzieht, sollte dies – grob gesehen – funktionieren (eine vernünftige Initialstoppsetzung vorausgesetzt). Wenn wir daher an 50 Verlierer und 50 Gewinner denken, die wir rein zufällig ausgewählt haben, liegen wir beim Ergebnis bei 0. Gewinner und Verlierer heben sich gegenseitig auf und der Trader reüssiert so ausgeglichen. Das ist für einen angehenden Trader übrigens gar kein schlechtes Resultat. Natürlich ist es nicht ganz so einfach, denn Faktoren wie die Slippage oder die Kostenkomponente machen uns hier einen Strich durch die Rechnung.

Sie müssen daher als Trader darauf warten, dass sich diese Wahrscheinlichkeit von 50:50 ein kleines Stückchen hin zu Ihren Gunsten verschiebt. Sie suchen einerseits nach klug gewählten Einstiegspunkten, die diese Wahrscheinlichkeit um Nuancen zu Ihren Gunsten hin verändern. Andererseits achten Sie auf den Erwartungswert: welcher Trade „bringt“ mehr Gewinn. Lohnt es sich zum Beispiel eher darauf zu setzten, dass eine Unterstützung hält oder das sie bricht? Vertiefen werden wir diese Überlegung in einem späteren Artikel denn ich habe dazu meine eigenen Gedanken.

Gelingt Ihnen beides, werden Sie über eine Abfolge von einigen (etlichen) Trades einen statistischen Vorteil aus diesen Umständen erlangen. Dann wird aus der präsentierten, schwarzen Null ein Betrag, der unter dem Strich positiv ist, und den Trader zu einem Gewinner macht.

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