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04.05.2010 | Fachwissen
Basiswissen Börse – Teil 9: Aktienanleihen
Das Prinzip von Aktienanleihen ist schnell erklärt: Sie zahlen hohe, oft zweistellige Zinsen auf Basiswerte wie Aktien oder Indices. Notieren diese Aktien zum Ende der Laufzeit über einer bestimmten Schwelle, wird die Anleihe in Geld zurückgezahlt, ansonsten werden Aktien geliefert…
Aktienanleihen sind also für Anleger geeignet, die hohe Zinseinnahmen erzielen wollen und nach deren Einschätzung die Kurse der Aktien, auf die sich eine Aktienanleihe bezieht, sich seitwärts entwickeln oder leicht steigen werden. Das ist die gleiche Strategie wie bei Discount Zertifikaten, die ebenfalls davon profitieren, wenn eine Aktie sich nur wenig verändert oder leicht steigt, nur dass eben ein Zins ausgeschüttet wird, und der Ertrag nicht in Form eines Rabatts auf die Aktie gewährt wird.
Funktionsweise
Aktienanleihen werden nicht stückweise, sondern wie jede klassische Anleihe mit einem Nominalwert erworben. Der Nominalwert ist der Betrag, auf den sich die Leistungen des Emittenten beziehen. Für den Wert einer Anleihe ist der Kurs relevant. Anleihen notieren in Prozent des Nominalwertes. 100 % entsprechen genau den Nominalbetrag von zum Beispiel 5000 €, 99 % einen Betrag von 4950 €, und 101 % entsprechen 5050 €. Eine Anleihe hat eine feste Laufzeit. Für diese Laufzeit stellt der Anleger dem Emittenten Kapital zur Verfügung. Dafür erhält der Anleger einen bestimmten Zinsertrag, der auf den Nominalbetrag der Anleihe berechnet wird. Zudem ist der Emittent der Fälligkeit zur Rückzahlung des Nominalbetrages verzichtet.
Hierzu ein Beispiel:
Die Aktienanleihe bezieht sich eine Aktie, deren Kurs aktuell bei 40 € notiert die Anleihe enthaltenen jährlichen Zinssatz von 10 %. Der Anleger erwirbt einen Nominalbetrag von 5000 € zu einem Kurs von 100 %. Die Laufzeit beträgt ein Jahr.
Im Gegensatz zur klassischen Anleihen, die für eine Laufzeit von einem Jahr Zinsen von rund 2,5 % zahlen, bieten Aktienanleihen deutlich höhere Erträge. Die hohe Zinszahlung am Ende der Laufzeit erfolgt auf jeden Fall und ist an keine Bedingung geknüpft. Die Aktienanleihe auf unsere Aktie zahlt Zinsen von 10 % und liegt damit um rund 7,5 % über dem Niveau vom klassischen Anleihen. Am Fälligkeitstag der Anleihe kann der Emittent wählen, ob er den Nominalbetrag oder eine definierte Anzahl an Aktien an den Anleger zurückgibt.
Die Aktienanleihe im Beispiel wird entweder durch 5000 €, also zum Nominalbetrag, oder durch die Lieferung von 125 Aktien getilgt. Der Emittenten ist zur Lieferung der 195 Aktien berechtigt, wenn die Aktie unter 40 € notiert. Die Rückzahlung zum Nennbetrag erfolgt immer dann, wenn die Aktie über 40 € liegt. Die Rückzahlung der Aktienanleihe ist also an den Kurs der Aktie geknüpft. Der Wert einer Aktienanleihe leitet sich deswegen auch zu einem wesentlichen Teil aus der Kursentwicklung des Basiswertes ab.
Der Reiz einer Aktienanleihe liegt in ihrer hohen Verzinsung. Welcher Anleger möchte nicht gerne einen Kupon von 10 % und mehr vereinnahmen? Die Zahlung der Zinsen erfolgt im Gegensatz zu Rückzahlung unabhängig vom Kurs der Aktie.
Die Zinszahlung erfolgt für die Zeit zwischen dem Kauf der Aktienanleihe und der Rückzahlung. Der Zinsentag errechnet sich aus dem jeweiligen Nominalbetrag der Aktienanleihe. Der Zinssatz, der bei der Emission festgelegt wird, bezieht sich immer auf ein Jahr und der Zusatz per anno bringt dies zum Ausdruck. Der Zinssatz von 10 % bedeutet deshalb nicht grundsätzlich, dass sie einfach 10 % bezogen auf 5000 € bis 500 € erhalten. Vielmehr erfolgt die Verzinsung auf den Tag genau. Der Zinsertrag beläuft sich dann nur auf 500 €, wenn die Aktienanleihe eine Laufzeit von genau einem Jahr hat. Ist die Laufzeit kürzer, ist auch der Zinsertrag in Euro geringer; läuft die Aktienanleihe länger als 365 Tage, erhöht sich der Zinsertrag. Der Emittent zahlt die gesamten Zinsen am Zahltag an den Inhaber der Aktienanleihe.
Erwirbt der Anleger die Aktienanleihe während der Laufzeit, erhält er trotzdem am Zahltag die volle Zinszahlung von 500 €. Der tatsächliche Zinsertrag für die Tage, an denen der Anleger die Anleihe besessen hat, liegt jedoch darunter, da er beim Kauf der Anleihe Stückzinsen bezahlen muss. Stückzinsen sind die Zinsen, die vom Beginn der Anleihe beziehungsweise des Zinslaufes bis zum Kauftag angefallen sind. Möchte der Anleger die Anleihe vor dem Termin veräußern, erhält er für die Zeit seit Beginn des Zinslaufes die Zinsen vom Käufer der Anleihe vergütet.
Zu welchem Zeitpunkt die Zinsen gezahlt werden, ist von Anleihe zu Anleihe unterschiedlich. Klassische Anleihen, wie Bundesschatzbriefe oder Pfandbriefe, zahlen einmal jährlich Zinsen. Bei Aktienanleihen mit einer Laufzeit von unter beziehungsweise von knapp über einem Jahr werden die Zinsen nur einmal, und zwar bei Fälligkeit, gezahlt. Bei Aktienanleihen mit einer Laufzeit von mehreren Jahren werden die Zinsen üblicherweise ebenfalls jährlich zu bestimmten Terminen gezahlt. Den genauen Zinstermin kann man den Anleihebedingungen entnehmen.
Die Rückzahlung von Aktienanleihen ist, wie bereits erwähnt, stets von der Entwicklung des zu Grunde liegenden Basiswerts abhängig. Der Emittent ist berechtigt, die Aktienanleihe in Aktien zu tilgen, wenn die Aktie unter 40 € notiert. 145 Aktien zum Preis von 40 € entsprechen genau der Nennbetrag von 5000 €. Solange die Aktie über 40 € notiert, zahlt der Emittent den Nennbetrag, und zwar unabhängig davon, ob die Aktie über 40 € oder 50 € notiert. Je tiefer die Aktie notiert, desto geringer ist der Wert der gelieferten Aktien.
Bei einem Aktienkurs von 38 € entsprechen 125 Aktien im Wert von 4750 €; in Prozent sind das 95 % des Nennbetrages. Das ist ein kleiner Verlust, der aber durch die hohe Verzinsung mehr als ausgeglichen wird. Bei einem Aktienkurs von 35 € entsprechen 145 Aktien einen Wert von 4375 €. Das sind 87,5 % des Nennbetrages. Selbst bei einer Verzinsung von 10 % führt eine Lieferung der Aktien zu einem kleinen Verlust. Darin liegt auch das Risiko von Aktienanleihen: Je tiefer die Aktie fällt, desto größer ist der Verlust in der Anleihe. Theoretisch kann die Aktie auf null Euro fallen, dann werde das gesamte eingesetzte Kapital verloren.
Der Grund, warum Aktien Anleihen im Gegensatz zur klassischen Anleihen einen hohen Zinssatz zahlen können, liegt in der Möglichkeit des Emittenten, dem Anleger am Fälligkeitstag Aktien zu liefern. Das Kursrisiko trägt der Anleger, der Emittent zahlt ihm dafür eine Risikoprämie. Steigen die Aktien hingegen, behält der Emittent die Aktien, profitiert von den Gewinnen und zahlt den Nominalbetrag an den Anleger zurück.
Einsatzmöglichkeiten
Aktienanleihen können als Ersatz für klassische Anleihen eingesetzt werden. Der Anleger muss sich allerdings im klaren darüber sein, dass bei fallenden Kursen Verlustrisiko eintritt, dass höher sein kann als der Zinssatz, den die Aktienanleihe zahlt. Idealerweise investiert der Anleger in Aktien Anleihen, bei denen er sich sicher ist, dass die Aktien nicht auf den Basispreis fallen werden, denn bis dahin erhält der ja den Nominalbetrag voll zurückbezahlt.
Vorteile von Aktienanleihen
Stetige Zinserträge
Aktienanleihen zahlen immer einen definierten Zins aus, egal wie am Laufzeitende die jeweilis zu Grunde liegende Aktie notiert.
Gewinnoptimierung
Die Konstruktion der Aktienanleihe führt dazu, dass in seitwärts tendierenden Marktphasen der Nominalbetrag am Laufzeitende zurückgezahlt wird. Der Anleger hat dann die maximal mögliche Rendite erwirtschaftet.
Umfangreiches Produktangebot
Die Emittenten, allen voran das Bankhaus Sal. Oppenheim und die BHF Bank, sorgen mit einem laufend aktuellen Angebot attraktiver Emissionen auf die unterschiedlichsten Basiswerte.
Fortsetzung folgt!
Auszug aus dem Buch Basiswissen Börse. Zur Verfügung gestellt von:
BörseGo AG
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FinanzBuch Verlag
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