06.10.2009 | Fachwissen

Basiswissen Börse – Teil 6: Börsensysteme – Xetra, Eurex und Xontro

Prinzipiell wird der Handel an der Börse entweder an einer „Präsenzbörse“ oder über eine elektronische Handelsplattform abgewickelt. Bei einer Präsenzbörse handeln die Broker am Börsenparkett direkt miteinander und mit Kursmaklern. Bei einer elektronischen Börse …

… geben die Händler ihre Orders von ihrem Computer aus ein. Auch Privatanleger können über Internetbroker selbst auf diesen elektronischen Handelsplattformen handeln, ohne einen klassischen Broker zwischenschalten zu müssen.

Im Folgenden werden die elektronischen Handelssysteme der Deutschen Börse für Kassa- und Terminmarkt kurz beschrieben. Zum einen sind diese Systeme repräsentativ für alle anderen Plattformen, und zum anderen ist die Deutsche Börse in diesem Bereich mit ihren elektronischen Systemen Marktführer. Neben Frankfurt wird unter anderem auch an der Nasdaq und der Wiener Börse sowie in Stuttgart an der Euwax (European Warrant Exchange) vollelektronisch gehandelt

Xetra in Wien und Frankfurt

„Xetra“ ist der Name für das Handelssystem des Kassamarktes der Deutschen Börse; es wird auch, wie bereits erwähnt, an der Wiener Börse verwendet. Das Kürzel „Xetra“ steht für „Exchange Electronic Trading“ und ist gleichzeitig mit der „Nasdaq“ ein Synonym für die Elektronisierung und Internationalisierung des Wertpapierhandels. Die Xetra wurde im November 1997 in der ersten Version an der Frankfurter Wertpapierbörse eingeführt und gilt als die weltweit leistungsfähigste und flexibelste Systeminfrastruktur für den vollelektronischen Handel von Wertpapieren.

Das so gut wie ausfallssicherer „Xetra“ arbeitet unabhängig vom Standort des Händlers und gestattet Einsicht in das Orderbuch, in dem Kauf- und Verkaufsangebote abgebildet sind. In diesem System können je nach Segment Aktien, Anleihen, Optionsscheine, Zertifikate und Rohstoffe gehandelt werden. Es stellt Kauf- und Verkaufsaufträge lizenzierter und geprüfter Händler in einem vollelektronischen Orderbuch dar. Während des laufenden Handels (sogenannter Fließhandel) prüft das Handelssystem jede Kauf- und Verkaufsorder und führt diese sofort aus, sobald ein passendes Gegenangebot vorliegt. In fortlaufenden oder Einzelauktionen, je nach Segment, wir für alle offenen Orders der Preis, der den größten Umsatz ermöglicht, ermittelt, wodurch auch bei weniger liquiden Wertpapieren ein relativ effizienter Handel mit immerhin gelegentlich ausreichenden Volumina gewährleistet werden kann.

Auf der Xetra werden aber nicht nur Aktie gehandelt, sondern, je nach Segment auch Anleihen, Rohstoffe, Fonds und nicht standardisierte Derivate wie Optionsscheine, Turbo- und andere Anlage Zertifikate. Im Bereich der Warrants (Optionsscheine) und Zertifikate steht die Deutsche Börse in Konkurrenz zur Stuttgarter Börse, die mit ihrem ebenfalls vollelektronischen Handel (allerdings nicht Xetra) im Euwax-Segment (European Warrants Exchange) einen hohen Anteil der Volumina binden kann und auch den Schweizer Markt bearbeitet.

Eurex und ÖTOB

Die elektronische Terminbörse Eurex ist Weltmarktführer bei Handel und Abwicklung von Futures und Optionen auf Aktie, Aktienindizes, Exchange Trades Funds sowie Kapital- und Geldmarktprodukte. Die Eurex ist ein Joint Venture zwischen der Deutschen und der Schweizer Börse; sie entstand 1998 aus der Fusion der Deutschen Terminbörse und der Schweizer Terminbörse „Sofex“. Der Derivatehandel wird dabei über eine vollintegrierte, elektronische Handels- und Clearing Plattform vollzogen. Der damit verbundene dezentralisierte und standardisierte Marktzugang ermöglicht einen weltweitern Zugriff auf das System, ähnlich wie bei Xetra. Mehr als 400 Teilnehmer handeln an über 700 Orten weltweit, wobei mehr als 1,25 Milliarden Kontrakte im Jahr erreicht werden. Dabei zeichnet sich die Eurex durch eine moderne Systemarchitektur, hohe Verfügbarkeit und niedrige Transaktionskosten aus.

Im Gegensatz zum deutschen Kassamarktsystem Xetra wird an der Wiener Börse nicht die Eurex-Plattform zum Terminhandel verwendet, sonder „OMex“ von der schwedischen OM Technology AG, die eine der weltweit ersten vollelektronischen Derivatehandelsplattformen entwickelte. Das System wurde am 4. Oktober 1991 mit dem Start der ÖTOB, der Österreichischen Termin- und Optionen-Börse, für den Handel von österreichischen Optionen und Futures eingeführt und am 22. Oktober 1999 um den Handel von Optionsscheinen erweitert. 2005 wurden an der ÖTOB rund eine Million Kontrakte mit 13 Millionen Euro Kontraktgegenwert gehandelt.

Während an der ÖTOB nur Optionsscheine, Optionen und Futures auf Aktien und Indizes gehandelt werden, zeigt die Eurex ein wesentlich breiteres Spektrum. Einerseits werden ebenfalls Optionen und Futures auf Aktien und Indizes gehandelt, andererseits aber auch Derivate auf Anleihen und Zinssätze, die aktuell das größte Volumen ausmachen. So werden neben Derivaten auf europäische Aktien und Indizes Optionen und Futures auf europäische Treasuries wie etwa „Bund“(Bundanleihe mit 8,5 – bis 10,5-jähriger Laufzeit), „Bobl“, „Schätze“ und „Buxl“ gehandelt. Aber auch auf die verschiedenen Eurobor-Sätze werden Derivate an der Eurex gehandelt.

Die Eurex hat zusätzlich eine Niederlassung in den USA gegründet, die jedoch noch mit geringen Volumina kämpft. Hier werden neben den europäischen Produkten auch Futures und Optionen auf nord- und südamerikanische Zinssätze und Anleihen sowie Währungs-Futures gehandelt. Die US Konkurrenz ist allerdings mit den drei größten amerikanischen Terminbörsen CME (Chicago Mercantile Exchange), CBOT (Chicago Board of Trade) und NYMEX (New York Mercantile Exchange), an denen neben US-Treasuries auch Rohstoffe wie Öl, Weizen, Holz und Rind gehandelt werden, relativ mächtig.

Die US Terminbörsen verfügen dabei sowohl über eine Präsenz- als auch über einen vollelektronischen Handel, der allerdings seit der Eröffnung der Eurex US vorangetrieben wird. Für Privatkunden it über Internetbroker der gesammelte Zugriff auf verschiedene elektronische Terminbörsen (Eurex, CME, CBOT usw.) zu relativ günstigen Spesen möglich. Bietet der Broker diese Möglichkeit nicht – so wie derzeit noch kein Broker eine Anbindung an die ÖTOB anbietet –, bleibt der Weg des Telefonhandels, der allerdings meist mit höheren Margins und Handelsspesen verbunden ist. Zudem ist davon wegen des höheren Risikos infolge der langsamen Ausführung eher abzuraten.

Xontro

XONTRO ist das elektronische Handelssystem der deutschen Börsen (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart), das den Handel in allen börsennotierten nationalen und internationalen Wertpapieren ermöglicht. Das System unterstützt den gesamten Handelsprozess von der Orderaufgabe und –weiterleitung über die Preisbildung bis hin zur Geschäftsabwicklung und Weitergabe der Geschäfte zur Regulierung. Derzeit werden rund 40% aller Kassamarktgeschäfte über Xontro abgewickelt. Zudem sind an das System 170 Banken und Makler angeschlossen. Der Zugang zu Xontro ist standortunabhängig und steht somit sowohl inländischen als auch ausländischen Teilnehmern weltweit zur Verfügung.-

Betreiber von Xontro ist die Firma BrainTrade. Sie wurde im Sommer 2000 gegründet und ist ein gemeinsames Tochterunternehmen aller deutschen Wertpapierbörsen.

Fortsetzung folgt!

Auszug aus dem Buch Basiswissen Börse. Zur Verfügung gestellt von:

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