27.08.2009 | Fachwissen

Basiswissen Börse – Teil 5: Grundbegriffe der Börse

Die im Folgenden aufgelisteten grundlegenden Börsenbegriffe werden in dieser Serie sowie den einschlägigen Medien und in der Handelswelt immer wieder verwendet.

Agio

Auch „Aufgeld“ oder „Aufschlag“. Ist der Betrag, um den der Emissionspreis bei der Neuausgabe von Wertpapieren über deren Nennwert liegt. Gegensatz: Disagio (Abgeld, Abschlag)

Aktie

Wertpapier, auch Titel genannt, das einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft verbrieft und dem Inhaber Vermögens- und Mitspracherechte sichert. Der Kurs einer Aktie ergibt sich aus Angebot und Nachfrage an der Börse und repräsentiert den Marktwert des Unternehmens. Die Aktie hat einen Nennwert (der „Nominale“) am Eigenkapital, der aber nicht dem Kurs oder dem Wert der Aktie entspricht.

Anleihe

Foderungspapier mit festgelegten Bedingungen hinsichtlich Verzinsung, Laufzeit und Rückzahlungsverpflichtungen, mit dem längerfristige Darlehen aufgenommen werden. Emittenten einer Anleihe sind die öffentliche Hand (Bund, Länder, Kommunen – Government Bonds) oder Unternehmen (Corporate Bonds) und Banken beziehungsweise Versicherungen.

Ask

Verkaufsangebot, auch als „Brief“ oder „Briefkurs“ bezeichnet. Der Ask ist der Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist, sein Wertpapier zu verkaufen. Das niedrigste Verkaufsangebot wird dabei als „Best Ask“ bezeichnet.

Baisse oder auch „Bear Market“

Die französische Vokabel bezeichnet eine anhaltende Abwärtsbewegung der Kurse eines Marktes und ist nicht nur auf einen Titel bezogen, sondern als Gesamttendenz zu verstehen. Gegensatz: „Hausse beziehungsweise „Bull Market“.

Basispunkt

Ein hundertstel Prozentpunkt – beispielsweise ist die Veränderung eines Zinssatzes von 4,00 auf 4,25 Prozent eine Anhebung der Zinsen um 25 Basispunkte.

Bezugsrecht

Das Bezugsrecht ist ein Vorkaufsrecht der Aktionäre für im Rahmen einer Kapitalerhöhung begebenen „jungen Aktien“. Der errechnete Wert des Bezugsrechtes und dessen Handelskurs können aber je nach Angebots- und Nachfragesituation differieren.

Bid

Kaufnachfrage, auch als „Geld“ beziehungsweise „Geldkurs“ bezeichnet. Das Bid bezeichnet den Preis, den der Käufer bereit ist, für ein Wertpapier zu bezahlen. Das höchste Kaufangebot wird dabei als „Best Bid“ bezeichnet.

Computerbörse

An Computerbörsen, wie zum Beispiel der Xetra der Deutschen Börse, die auch an der Wiener Börse verwendet wird, wind die Handelsteilnehmer nicht mehr physisch anwesend und geben nicht mehr am Parkett ihre Orders bekannt, sondern handeln vom Büro aus schnell und direkt über die Server der Börse. Computerbörsen sind, neben Xetra, die Nasdaq und die Eurex.

Derivate

Bei derivaten Finanzinstrumenten handelt es sich nicht um eigenständige Instrumente, sondern lediglich um Rechte beziehungsweise Verpflichtungen zum Kauf oder Verkauf von Waren oder Wertpapieren. Die Bewertung von Derivaten hängt somit von den Kursen des zugrunde liegenden Wertes, des „Underlyings“, von dessen Volatilität, den derzeitigen Marktzinsen sowie den Markterwartungen ab. Die gängigsten standardisierten Derivate sind Optionen und Futures.

Diversifikation

Die Streuung des für die Anlage bereitstehenden Vermögens auf verschiedene Wertpapiere oder Asset – Klassen wird als Diversifikation bezeichnet. Dabei wird das Ziel verfolgt, mit einem möglichst geringen Risiko eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften.

Euribor

Kürzel für European Inter Bank Offering Rate. Der Eurobor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken im Euro – Raum Geld für eine bestimmte Periode (eine Woche, ein, drei, sechs, neun oder zwölf Monate) gegenseitig leihen. Der Zinssatz wird dabei per annum angegeben. In Großbritannien wird der Libor verwendet, in den USA der Zinssatz der 13 – Week – Treasury – Bills.

Fälligkeit

Da es sich bei Optionen, Futures und anderen Derivaten, wie „Turbos“ oder „Warrants“ um Termingeschäfte handelt, gibt es einen Erfüllungstermin, der auch als Fälligkeit bezeichnet wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die Waren ausgetauscht beziehungsweise können amerikanische Optionen bis zu diesem Zeitpunkt ausgeübt werden, sofern die Positionen noch offen sind.

Hausse

Eine Hausse ist von einer steigenden Markttendenz gekennzeichnet und wir auch als „Bull Market“ bezeichnet. Eine solche Hausse spielte sich zum Beispiel zwischen 1996 und 2000 vorwiegend am Technologiesektor ab und mündete postwendend in eine große Baisse.

Hedge

Englisch für “Hecke”, wobei hierbei nicht gemeint ist, den Garten neu einzuzäunen, sondern zu versuchen, sich gegen Kursrisken in seinen Positionen abzusichern. Der Besitzer eines Wertes, beispielsweise einer Aktie, trägt das volle Risiko der Preisschwankungen und kann dieses durch den Kauf von Derivaten verringern. Ein „perfekter Hedge“, also die komplette Ausschaltung aller Risken, ist in der Praxis kaum machbar.

Index/Indizes

In einem Indes sind bestimmte Wertpapiere enthalten, die einen Markt repräsentieren sollen, um dessen Preisveränderungen über lange Zeiträume anschaulich anzeigen zu können. Es werden aber nicht nur Aktien oder Anleihen in Indizes zusammengefasst, die dann oft auch als Benchmark dienen, sondern auch Fonds und Rohstoffe. Die Gewichtung eines Titels innerhalb eines Index kann entweder über dessen Marktkapitalisierung beziehungsweise Streubesitzkapitalisierung oder preisgewichtet festgelegt werden. Indizes sind beispielsweise der Deutsche Aktienindex (DAX), der Standard & Poor’s 500 (S&P) oder der Österreichische Austrian Trend Index (ATX), nicht jedoch der US – amerikanische Dow Jones Industrial Average (DJ) – dieser ist ein Average, ein „Durchschnitt“. Die Notierungen des Dow werden kalkuliert als arithmetisches Mittel der Schlusskurse der 30 zugrunde liegenden Einzeltitel plus eines Korrekturfaktors; es findet keinerlei Gewichtung statt. Indizes dienen häufig als Grundlage für Derivate zur Absicherung oder Spekulation. Oft werden Indizes aber nicht nur indirekt über Derivate, sondern auch direkt über fondsähnliche Konstrukte wie Aktien gehandelt. Diese werden dann als „Exchange Traded Funds“ (ETFs) bezeichnet.

Glattstellen

Eine offene Terminposition kann entweder ausgeübt oder vor der Fälligkeit durch das entsprechende Gegengeschäft „glattgestellt“ werden. Eine Long – Position wird durch den Verkauf der gleichen Anzahl an gleichen Wertpapieren glattgestellt, eine Short – Position durch den Kauf der gleichen Wertpapieranzahl.

Kassamarkt

Ein Geschäft an der Kassa ist durch die Bezahlung und Lieferung der gehandelten Waren unmittelbar beziehungsweise kurz nach Handelsschluss gekennzeichnet. Beispiele sind Aktien- und Anleihemärkte. Gegensatz: Terminmarkt.

Leerverkauf

Verkauf ein Anleger Wertpapiere, die er gar nicht besitzt, spricht man von einem Leerverkauf. An der Kasse muss sich der Leerverkäufer dafür zuerst Stücke ausborgen, die er dann wieder zurückzahlen muss. Der Verkäufer hofft dabei auf fallende Kurse und somit darauf, dass er seine Position nach dem Verkauf günstiger wieder glattstellen kann. Leerverkauf wird als „Short – Gehen“ oder „shorten“, die Position als „short“ bezeichnet. Im Gegensatz dazu steht die „Long – Position“ oder das „Long – Gehen“.

Order

Kauf- oder Verkaufsauftrag, insbesondere für Wertpapiere

Parkett

Als Parkett bezeichnet man den klassischen Börsenhandel, auf dessen Boden (meist mit Parkett ausgelegt) sich die Händler tummeln. Der Parketthandel wird auch als Präsenzhandel bezeichnet, da hier die Marktteilnehmer physisch anwesend sein müssen, um ihrer Tätigkeit nachgehen zu können. Bekannte Parkettbörsen sind noch die New York Stock Exchange (NYSE) an der Wall Street und das Chicago Board of Trade (CBOT) sowie teilweise die Börse in Frankfurt.

Terminmarkt

Im Gegensatz zum Kassageschäft wird bei einem am Terminmarkt abgeschlossenen Geschäft bei Vertragsabschluss die Erfüllung erst zu einem in der Zukunft liegenden Termin vereinbart. Zum Handelsabschluss werden dieser Termin sowie der Preis für den späteren Austausch vereinbart.

Trend

Entwicklung einer Zeitreihe, also des Kurses eines Wertpapiers oder Derivats. Unterschieden wird nach der Richtung in Aufwärts-, Abwärts- und Seitwärtstrends.

Volatilität (Vola)

Die Volatilität ist eine Risikokennzahl; sie bezeichnet das Risiko eines Wertpapiers oder einer Anlageform. Als Standardabweichung der Kurse der vergangenen Perioden vom Mittelwert der Kurse gibt sie an, in welcher Bandbreite um einen bestimmten Trend sich der tatsächliche Kurs in der Vergangenheit bewegt hat. Dabei gilt, dass eine höhere Volatilität ein höheres Ertragsrisiko sowohl im positiven (Chancenpotential) als auch im negativen Sinne (Verlustpotential) gegenüber einer niedrigeren Volatilität bringt. Bei einer höheren Vola sind meist auch die Spreads zwischen Kauf- und Verkaufskursen höher. Über die konkreten Ertragsaussichten sagt die Volatilität allerdings nichts aus. Übliche Berechnungsperioden sind ein Monat beziehungsweise ein Jahr, sprich 20 beziehungsweise 250 Börsentage. Aber auch 30 und 180 Tage sind üblich. Wichtig ist die Volatilität auch zur Bewertung von Optionen; sie wird im entsprechenden Beitrag näher behandelt.

Fortsetzung folgt!

Auszug aus dem Buch Basiswissen Börse. Zur Verfügung gestellt von:

BörseGo AG
www.godmode-trader.de

FinanzBuch Verlag
www.finanzbuchverlag.de

trading redaktion · Thomas Vittner · Trading & Education · Bandgasse 33-41/19 · 1070 Wien
Design: Grafischer Dienst