02.06.2010 | Fachwissen

Basiswissen Börse – Teil 10: Das Spiel von Angebot und Nachfrage

Im folgenden Beitrag geht es um die Kursbildung in einem Titel wie der Vorgang an sich eigentlich funktioniert. Beispielhaft wird auf die Kursbildung auf Xetra eingegangen. Der Handel mit anderen Börsen und auf anderen Systemen ist, wie gesagt, sehr ähnlich. Ein Handelstag beispielsweise an der Wiener Börse unterteilt sich in drei Phasen: den Vorhandel, die Haupthandelsphase und den Nachhandel.

Während der Vor- und Nachhandelsphase können lediglich Orders betrachtet und eingestellt, aber nicht ausgeführt werden. Die Haupthandelsphase beginnt mit der Eröffnungsauktion, die um 9:15 Uhr beginnt. Danach startet die erste Phase des fortlaufenden Handels von 9:21 Uhr bis 12:00 Uhr. Die Mittagsauktion dauert bis 12:04 Uhr, und der nachfolgende fortlaufenden Handel läuft bis 17:30 Uhr, wonach die Schlussauktion bis 17:33 Uhr dauert. Die Auktion zum Beginn und zum Schluss des Handels sollen sicherstellen, dass es am Anfang und am Ende des Handelstages nicht zu Kursmanipulationen und großen Kursausreissern kommt. Die untertägige Auktion fällt mit der jener Titel zusammen, die nur einmal täglich gehandelt werden (Einheitswerte, Standard Markt Auktion, Auktion Market).

Für den erfolgreichen Kauf und Verkauf von Wertpapieren in den einzelnen Phasen des Handelstages und den entsprechenden Handelsarten ist es unabdingbar zu wissen, wie die Preisbildung der Auktion und im Fließhandel erfolgt. Im Folgenden werden kurz die Regeln für den Handel der Orderausführung erläutert.

Auktionen

Wie bereits erwähnt, finden Auktionen als Eröffnung-, Mittags-und Schlussauktion im Fließhandel Verwendung. Zudem gibt es fortlaufende Auktionen, wie sie am Parkett ablaufen, um Kurse zu bilden, und die untertägige Auktionen für Einheits – Titel, bei denen nur einmal pro Tag ein Kurs gebildet wird. Zudem gibt es noch die Markeorder und die Volatilitätsunterbrechung, die als Sonderformen später behandelt werden. Die Preisbildung in der Auktion folgt einfachen Regeln. Zunächst ist der Optionspreis jener, zu dem das höchste ausführbare Ordervolumen und der geringste Überhang an vorhandenen Limit-Orders bestehen.

Kommen aber mehrere Limits in Betracht, ist der Überhang an Orders entscheidend. Überhang bedeutet dabei, dass einer der beiden Seiten zu dem Preis, bei dem sich die meisten Kauf- und Verkaufsorders treffen, mehr Stücke stehen als auf der anderen Seite. Gibt es einen Überhang auf der Kaufseite, entspricht der Optionspreis dem höchsten Limit. Liegt hingegen der Überhang auf der Verkaufsseite, entspricht der Optionspreis dem niedrigsten Limit. Liefert auch die Überhangsbetrachtung keine Resultate, wird bei Vorhandensein mehrerer Limits mit Verkaufs- oder Kaufüberhang der Referenzpreis größer oder gleich dem höchsten/niedrigsten Limit gesetzt. Liegt kein Überhang vor, wird der Referenzpreis über den niedrigsten Limit angesetzt.

Sind zum Ende der Aufrufphase die im Orderbuch vorliegenden Orders nicht oder nur teilweise ausführbar, spricht man von einem Market-Order-Überhang. Daher kommt es zu einer zeitlich begrenzten Verlängerung der Aufrufphase. Diese erhöht die Ausführungswahrscheinlichkeit von Market-Orders in Auktionen. Die Aufrufphase ist abgeschlossen, sobald alle vorliegenden Market-Orders ausgeführt werden können oder fix definierte Verlängerung Zeit abgelaufen ist.

Während sich eine übliche Auktion in die Aufruf-, Preisermittlungs- und Marktausgleichsphasen unterteilt, wird bei einer verlängerten Auktion zunächst der Aufruf verlängert. Danach folgt die so genannte „Freez Phase“, in der keine Eingabe, Änderung oder Löschung von Orders möglich ist. Diese können nur von der Börse via Mass Deletion oder Suspendierung durch die Marktsteuerung vorgenommen werden.

Aufgrund der geringen Liquidität in der Auktionen sind Titel, nur einmal täglich gehandelt werden, für den Träder nicht unbedingt geeignet. Dennoch ist die Kenntnis über die Auktionen wesentlich, um zu Handelsbeginn der oder zum Handelsschluss Aktien kaufen oder verkaufen zu können.

Der Fließhandel

Interessanter ist hingegen der Fließhandel, da hier die Liquidität wesentlich höher und die erzielbaren Kurse besser vorhersehbar sind. Im Fließhandel findet ein laufender Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage statt. Im Orderbuch können die jeweiligen Kauforders und Verkaufsorders eingesehen werden. Dementsprechend kann man selbst seine Order so platzieren, damit sie möglichst günstig und sicher ausgeführt wird. Bei guten Online-Brokern geht dies in Sekundenschnelle.

Einige Beispiele zu Kursbildung im Fließhandel: auf der Kaufseite stehen 5000 Stück mit einem Limit von 43,0 €. Kommt eine Verkauf-Markt-Order mit 5000 Stück ins System, wird der Kurs bei 43,0 € gebildet, und die Order wird vollständig ausgeführt. Gleiches gilt umgekehrt auch für eine Limit – Verkaufsorder und eine Market – Kauforder, nur dass hier der Kurs beim niedrigsten Verkaufslimit (44,0) gebildet wird.

Stehen im Orderbuch auf der Kaufseite 5000 Stück mit einem Limit von 43,0 € und kommt eine Verkaufsorder über 5000 Stück mit einem Limit von 42,5 € in das System, wird der Kurs beim höchsten Kauflimit, sprich 43,0 €, gebildet. Kommt hingegen eine Kauforder über 1000 Stück mit einem Limit von 73,5 € in das Orderbuch, indem bereits 1000 Stück bei 43 € zum Verkauf angeboten werden, wird der Kurs zum niedrigsten Verkaufslimit, also bei 43,0 €, gebildet.

Stehen sich im Fließhandel zwei Markets-Orders gegenüber, wird der Kurs zum Referenzpreis gebildet. Der Referenzpreis ist der letzte Preis, der im System ordentlich und mit Umsatz gebildet wurde.

Sind auf der Kaufseite eine Markets-Order mit 5000 Stück und eine 43 € Limit Order mit 2000 Stück zu sehen und wird eine neue Verkaufs-Market-Order über 5000 Stück in das System eingegeben, werden die beiden Markets-Orders zu Referenzpreis ausgeführt, wenn dieser unter dem höchsten Kauflimit liegt. Die Limit-Order bleibt im System stehen. Ist hingegen der Referenzpreis über dem höchsten Kauflimit, werden die beiden Markets-Orders zu höchsten Kauflimit (43) abgeglichen. Dennoch bleibt die Limit-Order im System stehen. Genau umgekehrt funktioniert es, wenn die neue Order auf der Kaufseite eintrifft und die beschrieben Orders auf der Verkaufsseite bereits im System eingegeben wurden.

Steht hingegen eine Markets-Order über 5000 Stück auf der Kaufseite im System, und kommt eine Verkaufsorder über 5000 Stück mit einem Limit von 43 € ins System, wobei der Referenzpreis bei 43,5 € liegt, wird die Order bei 43,5 € ausgeführt, da der Referenzpreis über den niedrigsten Verkaufslimit liegt. Ist der Referenzpreise gegen darunter gebildet worden, wird die Order zum niedrigeren Referenzpreis ausgeführt. Simultan dazu ist die Ausführung umgekehrt, wenn die Orders jeweils auf der anderen Seite stehen beziehungsweise ins System kommen.

Finden sich im Orderbuch auf der Kaufseite eine 2000 Stück Limitorder bei 43 € und eine Markte-Order über 5000 Stück und wird eine Verkaufsorder über 5000 Stück mit einem Limit von 42,5 € ins System gestellt, wobei der Referenzpreise bei 43,5 € liegt, erfolgt die Kursbildung bei 43,5 €, da der Referenzpreis über dem höchsten Kauflimit und dem niedrigsten Verkaufslimit liegt.

Sind hingegen auf der Kaufseite eine Marketsorder über 5000 Stück und in Millimeter-Order über 2000 Stück bei 43,5 € zu finden, und kommt eine Limitverkaufsorder über 5000 Stück bei 42,5 € hinzu, wird die Order bei 43,5 € ausgeführt, wenn der Referenzpreis zwischen der höchsten Kauforder und der niedrigsten Verkaufsorder liegt. Sind im System eine Kauf-Limit-Order über 2000 Stück bei 43, und eine Kauf-Mark-Order zu finden, und eine Verkauforder über 5000 Stück wird bei 43,5 € ins System eingegeben, wird diese bei 43,5 €, den niedrigsten Verkaufslimit, ausgeführt, wenn der Referenzkurs bei 42,5 € liegt, da dieser unter den niedrigsten Verkaufspreis liegt und höher als das höchste Kauflimit ist. Ebenso verhält es sich, wenn die Orders auf der Entgegengesetztenseite stehen. Kommt hingegen eine Limit- oder eine Market-Ordernd in das System und kann noch nicht abgeglichen werden, bleibt diese im System stehen, bis sie sich ausführen lässt.

Im täglichen Handel ist ein Blick in das Orderbuch unabdingbar. Wichtig ist die Orderlage zu erkennen und antizipieren zu können, was die eigene Order im aktuellen Umfeld verändern wird. Vor allem in so genannten Vola-Breaks gibt es immer wieder gute Gelegenheiten, Geld zu verdienen, wenn man bei der folgenden Auktion auf der richtigen Seite steht und auch Stücke bekommt.

Fortsetzung folgt!

Auszug aus dem Buch Basiswissen Börse. Zur Verfügung gestellt von:

BörseGo AG
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