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22.03.2010 | Fachwissen
Backtests & Simulationen - Teil 2
Vergangene Woche haben wir uns ein wenig Gedanken zum Thema Backtesting von Tradingsystemen gemacht, und dabei habe ich Inhalte verwendet, die aus meinem Buch “Das Trader Coaching” entnommen wurden. Als nächstes wollen wir Simulationen näher betrachten, und überlegen, wie und ob sie einem Trader einen entscheidenden Vorteil bringen können.
Die Simulation
Zwischen einem Backtest und einer Simulation besteht ein großer Unterschied. Der Backtest nimmt eine beliebige Methode und prüft, wie diese in der Vergangenheit abgeschnitten hätte. Die Simulation hingegen versucht, die bisherigen Ergebnisse eines Systems in die Zukunft fortzuschreiben. Doch da tritt ein grundlegendes Problem zutage. Die Märkte gelten als nach vorne hin offene Systeme. Das bedeutet, dass die einwirkenden Variablen im Gegensatz zu anderen Systemen, wie zum Beispiel bei einem Glücksspiel wie Roulette, zu jedem gegebenen Zeitpunkt unbekannt sind. Beim Roulette kann immer nur eine von 37 Zahlen kommen, beim Trading ist jeder nur erdenkliche Kursverlauf zu jeder Zeit möglich. Daher können Sie nie die absolute Gewissheit haben, dass ein altbewährtes System auch in der Zukunft funktionieren wird.
Meist versucht ein Trader, ein System mithilfe eines Computers zu simulieren. Dazu kann man ein handelsübliches Tabellenkalkulationsprogramm verwenden. Falls Sie sich dafür interessieren und nicht wissen, wie man so etwas anstellt, finden Sie im Internet bestimmt ein paar Hinweise zu diesem Thema. Die Tücke liegt jedoch auch hier im Detail und auf den Trader kommt ein weiteres Problem zu. Computer arbeiten bekanntlich mit dem binären System, also mit einer Abfolge von 0 und 1. Damit werden alle nur erdenklichen Informationen dargestellt, egal, ob das Spiele, das Internet, Fotos oder Musik sind. Ein Rechner kennt immer nur die Begriffe „ja“ oder „nein“, „richtig“ oder „falsch“. Deswegen werden Computer auch „determinierte Maschinen“ genannt. (Eine nähere Erläuterung zum Begriff „Determinismus“ finden Sie in Teil II im Kapitel „Trading, worauf es ankommt“, 2.6.1 „Die grundsätzliche Marktanschauung eines Traders“.)
Das bedeutet, dass bei diesen Maschinen absolut nichts „zufällig“ passiert. Computer können keine echten Zufallszahlen produzieren, auch wenn es für uns Menschen so aussehen mag. Diese Zufallsfolge wiederholt sich irgendwann wieder, je nach Rechenleistung kann dies sehr lange dauern oder relativ rasch geschehen, und ab diesem Zeitpunkt ist es mit der Zufälligkeit zur Gänze vorbei. Deswegen sind Computerfachleute heute dabei, immer längere Zufallsreihen zu ermitteln, um dem echten Zufall näher zu kommen. Trotzdem, wenn der tollste Algorithmus unabhängig von seiner Länge zu Ende ist, geht die Zahlenreihe einfach von vorne wieder los.
Der wirklich reine Zufall ist nicht zu programmieren, weil ein Computer ihn nie darstellen können wird. Diese Tatsache lässt die Aussagekraft computergestützter Simulationen in einem schlechten Licht erscheinen. Auf den Punkt gebracht bedeutet das:
Tradingsysteme können mit Computern nicht realitätskonform simuliert werden!
Wenn Sie jedoch alle diese Einwände nicht hören wollen und auf diesen Tests bestehen, weil es Ihnen dann besser geht, lassen Sie sich von mir nicht aufhalten. Birger Schäfermeier präsentiert in seinem Buch „Die Kunst des erfolgreichen Tradings“ einen Weg, wie man Systeme simulieren kann, und geht dabei auch auf manuelle Systemsimulationen – ohne Computer – ein. Der angehende Trader möge bei Interesse das entsprechende Kapitel des Buchs ab Seite 233 lesen.
Conclusio Backtest/Simulation
Seien Sie in jedem Fall darauf vorbereitet, dass Sie mit Ihrer Methode trotz bester Tests in der Praxis abweichende Resultate erzielen werden. Das können Sie aufgrund fehlender Daten oder aufgrund der Schwäche von Simulationen nicht verhindern. Wundern Sie sich daher nicht, dass das scheinbar perfekte System bei Ihnen in der Praxis nicht so gut funktioniert, wie es ein Test hätte vermuten lassen. Sie werden unter dem Strich ohnehin nur dann erfolgreich sein, wenn alle Parameter Ihres Handelsansatzes zueinander passen. Der private Trader muss nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, um die Beute zu erlegen.
Design: Grafischer Dienst

