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15.03.2010 | Fachwissen
Backtests & Simulationen - Teil 1
Über den Nutzen von Simulationen und Backtests im Trading kann man geteilter Meinung sein. Ich bin diesbezüglich eher skeptisch, und diese Gedanken habe ich in meinem Buch “Das Trader Coaching” zusammengefasst. Hier in der trading redaktion möchte ich Ihnen diesen Teil des Buchs in zwei Abschnitten präsentieren.
Textauszug aus “Das Trader Coaching”
Der Wunsch des Traders, ein System zu testen, bevor man es anwendet, ist nachvollziehbar. Wenn Sie bei einem Winzer eine Flasche Wein kaufen, werden Sie diesen vorher kosten wollen. Besonders dann, wenn es sich um einen teuren Tropfen handelt. Wenn Sie einen Anzug kaufen, werden Sie ihn vorher anprobieren, denn nur aufgrund der Größe ist nicht festzustellen, ob Sie gut darin aussehen und Ihnen der Schnitt passt. Ein Auto wird vorher probegefahren und bei den Tradingsystemen ist es ähnlich, man möchte schließlich einen Beweis sehen, dass es funktioniert. Daher will man die Methode auf Herz und Nieren prüfen, bevor man sein Geld hineinsteckt. Doch da beginnen einige Probleme, auf die ich Sie im Folgenden aufmerksam machen möchte.
Um Systeme zu testen, verwendet man eine große Menge historischer Kursdaten. Den meisten Tradern ist jedoch nicht bekannt, dass es viele Unzulänglichkeiten dieser Datenbanken gibt. Ein großes Problem liegt in der so genannten „Survivorship Bias“ – was so viel bedeutet wie, dass es in diesen Datenbanken nur noch Informationen zu jenen Unternehmen gibt, die bis heute existieren oder überlebt haben, wie der Name es schon ausdrückt. Firmen, die Bankrott gingen oder die fusioniert haben, fehlen in diesen Beständen. Durch diese Datenlücken werden die Ergebnisse der Auswertungen natürlich stark verfälscht.
Weiterhin berücksichtigen diese Tests Faktoren wie Transaktionskosten oder die Slippage nicht, was zu einer weiteren Unschärfe führt. Außerdem fehlt dem ganzen Testprozedere die psychologische Komponente des Tradings, die so ein System schnell kippen lässt. Der Computer geht natürlich immer davon aus, dass alle Trades perfekt ablaufen, was in der Praxis selbstverständlich eine Illusion ist. Diese Gleichung lässt daher so viele Variablen übrig, dass die Ergebnisse aus meiner Sicht nicht mehr zu gebrauchen sind.
Der private Trader braucht sich mit dem Thema „Backtesting“ nicht zu beschäftigen.
Meist wird er sich ohnehin diskretionär, also nach freiem Ermessen, den Märkten nähern und da macht ein solcher Test schon gar keinen Sinn! Auch wenn er mit einem vollautomatischen Handelssystem agieren möchte, sollte er die oben angeführten Unzulänglichkeiten kennen. Darüber hinaus braucht der Trader ein gehobenes mathematisches und analytisches Verständnis sowie die passenden Tools, die nicht jeder zur Verfügung hat.
Fortsetzung folgt!
Hier finden Sie eine Bestellmöglichkeit meines Buchs “Das Trader Coaching”, welches vom FinanzBuch Verlag zum Trading Buch des Jahres 2009 gewählt wurde.
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