25.01.2010 | Dies&Das

Resümee Workshop Swingtrading, 19. - 21. Jänner Wien

Ich muss schon zugeben, dass ich im Vorfeld etwas aufgeregt und angespannt war, denn schließlich war es mein erster öffentlicher Auftritt seit mehr als einem halben Jahr. Trotzdem überwog die Vorfreude auf das Event, denn wann hat man schon als Trader die Möglichkeit, so viele andere Kollegen kennenzulernen? Mit 25 Teilnehmern war die Veranstaltung schon seit Wochen bis auf den letzten Platz ausverkauft, und den Besuchern wurde ein interessantes Rahmenprogramm geboten. Lassen Sie uns den Workshop im folgenden Beitrag kurz Revue passieren.

Das Seminar begann am ersten Tag um 13.00 Uhr. Von Anfang an entwickelte sich eine entspannte und kollegiale Atmosphäre. Wichtig war mir gleich in meiner Einleitung folgende Klarstellung: „Ich zeige Ihnen in diesem Workshop nicht, wie es geht, sondern ich zeige Ihnen, wie ich es mache“. Ich denke, dass in diesem Satz ein Großteil meiner Philosophie verborgen liegt, denn ich sage immer wieder, dass man das Regelwerk eines anderen Traders nie zu 100% übernehmen darf.

Tag 1 stand eindeutig im Zeichen der Theorie. Zunächst musste eine fachliche Basis gelegt werden, um den weiteren Ausführungen gedanklich folgen zu können. Die Inhalte dieses Tages waren Themen wie Tradingmythen- und –irrtümer, Moneymanagement und natürlich Trading – Strategien und dabei präsentierte ich verschiedene Swingtradingregelwerke. Wir analysierten den Setup und beschäftigten uns mit Fragen wie: Entry, Initialstoppsetzung und Trademanagement. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei diesem Thema die intensivsten Diskussionen stattfanden. Gegen 18.00 Uhr war Tag 1 beendet, und meine Stimme war kurz davor, sich zu verabschieden. Einigen Tassen warmen Tee zum Dank, konnte ich am nächsten Tag mit meinen Ausführungen fortfahren.

Tag 2 begann mit dem Live Trading in Europa. Dabei wurde echtes Geld eingesetzt, um den Teilnehmern ein wirkliches „Live Trading Feeling“ präsentieren zu können. Doch leider ließen uns die Märkte zunächst im Stich. Ich fand nur wenige Signale, und davon waren bloß zwei long Trades umsetzbar. Umsetzbar bedeutet bei mir aber noch nicht, dass der Trade tatsächlich ausgeführt wird, weil ich mich stets zu höheren oder tieferen Kursen mit einer „Stopp Buy“ oder „Stopp Sell“ Order in die Märkte einstoppen lasse. „Murphys Law“ bestimmte jedoch, dass just an diesem Seminartag die Börsen gar nicht so wollten wie ich, und die Notierungen rutschten ins Minus. Meine beiden angedachten long Trades wurden daher nicht ausgeführt, und am Nachmittag, als die Kurse schon weit von meinem geplanten Entrys entfernt waren, musste ich beide long Orders stornieren.

Dazwischen gab es am Tag 2 einen hochinteressanten Gastbeitrag von Andy Fritsch. Andy ist ausgebildeter Mentaltrainer, und begeisterte die Teilnehmer mit seinem Vortrag. Dabei ging es unter anderem um Ängste und Stress und das sind Themen, mit denen ein Trader täglich konfrontiert wird. Ein nettes Detail am Rande: nach Andy Fritsch war Christian Schneider von WH Selfinvest mit seinem Vortrag an der Reihe. Als wir mit Andy gerade einige Entspannungsübungen machten, und uns dabei von den Sitzen erhoben und mit den Armen kreisten, kam Christian Schneider zur Tür herein. Er blickte kurz auf die mit den Armen kreisende Gruppe und ging sofort wieder aus dem Saal heraus. Er dachte, er sei im falschen Raum gelandet. Er hatte bestimmt noch kein Trading Seminar erlebt, in dem solche Übungen gemacht wurden.

Andy Fritsch

Christian Schneider/WH Selfinvest

Auch der Auftritt von Christian Schneider war großartig. Die Plattform von WH Selfinvest ist ein echtes Spitzentool, und das konnte er in seinem Vortrag eindrucksvoll präsentieren. Ich nutze mit meinem Trading maximal 10% der Funktionen der Plattform, die sogar bis zur Programmierung von Handelssystemen reicht. Das war der Grund, warum auch ich von seinen Ausführungen für mein Trading enorm profitieren konnte.

Tag 2 endete mit dem Live Trading in den USA. Auch hier waren die Signale sehr bescheiden und letztlich blieben 4 Orders über, die eingestellt werden konnten. Im Laufe des Workshops wurde davon jedoch keine einzige aktiviert, denn es tat sich nicht viel mit den Kursen. Am späten Abend klappte es schließlich doch: eine short Position wurde eröffnet und die anderen Orders musste ich mangels Ausführung stornieren. So ging ich in den dritten Tag mit einer short Order aus den USA.

Tag 3: Das morgendliche Marktscreening in Europa brachte erneut wenige Signale, doch schließlich kam ein zweiter Short Trade hinzu, und einige weitere long und short Orders warteten im System auf ihre Ausführung. So war ich nun zweimal short Positioniert (einmal USA und einmal Europa) und sah dem Nachmittag entspannt entgegen. Nach dem Live Trading Teil war Heimo Lechner an der Reihe, der seinen Intraday Indextrading Ansatz vorstellte. Im Vorfeld war sich Heimo unsicher, ob seine Inhalte zu meinen Ausführungen passen würden, denn schließlich verwenden wir beide ja komplett unterschiedliche Strategien. Ich beruhigte ihn und meinte, gerade deswegen wäre sein Beitrag optimal. Ich wollte zeigen, dass viele Wege nach Rom führen, wenn man denn überhaupt dorthin will und dabei konsequent agiert.

Heimo konnte die Teilnehmer und mich von Anfang an mit seiner Ehrlichkeit und seinen Ideen beeindrucken. Er war absolut authentisch in seinen Ausführungen und vermittelte spannende Ideen und Eindrücke. Sein Beitrag war ebenfalls ein großer Gewinn für den Workshop. Danke Heimo, dass Du trotz des starken Schneefalls extra von Graz nach Wien gekommen bist, um mich zu unterstützen.

Heimo Lechner

Schließlich war es Nachmittag geworden, und in der Zwischenzeit passierte an den Märkten nicht viel. Mein offener Trade aus Europa notierte leicht im Minus, doch noch war ich guter Dinge, weil die Kurse wieder leicht rückläufig waren. In der Zwischenzeit beschäftigten wir uns mit dem Thema Börsenpsychologie und gingen der Frage nach, wie und ob man Trading lernen kann.

Beim späteren Marktscreening in den USA war das Umfeld am dritten und letzten Tag endlich so, wie ich es mir wünschte. Ich konnte mich vor Signalen kaum retten, und deswegen brach ich den Prozess nach gut der Hälfte ab. Ich hatte schon genug potentielle Kandidaten für den heutigen Tag, und wir warteten so mit einer prall gefüllten Watchlist gespannt auf die Eröffnung. Interessanter Weise hatte ich von 26 möglichen Trades 20 x Long und nur 6 x short auf meiner Watchlist – doch dann kam alles – wie so oft – ganz, ganz anders….

Die Kurse gingen zu Beginn noch leicht hinauf, doch ab 16 Uhr kannten die Märkte nur noch eine Richtung: abwärts! Ab 15.50 Uhr begann ich mit der Ordereingabe und stellte einige long Orders und drei short Orders ins System. Aufgrund der anfänglichen Kursentwicklung wurde zunächst noch ein USA long Trade aktiviert, danach jedoch alle drei US short Orders. Leider wurde meine USA Order vom Vortag, die ebenfalls short war, in den ersten 15 Minuten aufgrund anfänglich steigender Notierungen ausgestoppt. Das war Fehltrade No. 1 in diesem Workshop. Fehltrade No. 2 folge kurz darauf, denn meine USA Long Order lief ganze 20 Minuten.

Doch zum Glück blieb das mein letzter Verlust denn die Märkte brachen derartig ein, dass man dachte, der Himmel würde gleich einstürzen. Zur bestehenden short Order in Europa kam eine weitere Short Order aus Europa dazu. Kumuliert mit den 3 Shorts aus den USA war ich nun 5 x short und 0 x long und die Märkte fielen und fielen und es war kein Ende in Sicht. Dabei möchte ich anmerken, dass ich für dieses Seminar mein Regelwerk (maximal 3 x long und 3 x short) für ein geringeres Einzelpositionsrisiko ausgesetzt hatte.

Die Gewinne wurden bei meinen Trades so rasch akkumuliert, dass ich es gar nicht glauben konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt, als ich diese Zeilen schreibe, kenne ich den Grund dieses Kurseinbruches nicht (und will ihn gar nicht wissen). Jedenfalls erholten sich die Märkte an diesem Tag nicht mehr – im Gegenteil, es ging noch weiter leicht nach unten. Meine Short Trades freute das sehr, und ich konnte das Live Trading in diesem Seminar mit einem fetten Buchgewinn beenden. Auch der Freitag nach dem Seminar war an den Aktienmärkten tiefrot, und so stehe ich schon fast an einem zweistelligen R Vielfachen mit den Trades aus dem Workshop. Und das in der kurzen Zeit – kommt auch nicht alle Tage vor!

Doch ich wies die Teilnehmer schon am ersten Tag darauf hin, dass man eine Beurteilung eines Trading Systems nicht anhand von ein oder zwei Tagen vornehmen kann. Egal ob ich Gewinne oder Verluste in diesem Seminar gemacht hätte – bei meinem Positionstrading ist das in keinem Fall aussagekräftig. Jedem ist klar, dass eine Strategie wie meine, Zeit braucht, um sich entfalten zu können. Trotzdem ist es natürlich schön, wenn gerade in einem Seminar die Dinge so prima laufen.

So endete das Seminar nicht nur aufgrund der hervorragenden Performance sehr positiv. Die ausgewerteten Feedbackbögen brachten in überwältigendem Ausmaß eine ausgezeichnete Resonanz, und natürlich werde ich mir die vereinzelte Kritik zu Herzen nehmen. Für mich war es der erste 3 – Tages Tradingworkshop, und darüber hinaus das erste Event, in dem ich live mit echtem Geld vor Publikum getradet hatte. Weil das Feedback der Teilnehmer so großartig war, denke ich, dass es bestimmt nicht mein Letzter gewesen ist.

Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen Teilnehmern und bei den Gastreferenten nochmals herzlich bedanken. Wir alle hatten, wie mir auch das Feedback gezeigt hat, eine großartige und lehrreiche gemeinsame Zeit. Ich habe mich gefreut, Ihr Gastgeber gewesen sein zu dürfen, und wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Liebe und Gute.

Thomas Vittner, Wien am 25.1.2010

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