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15.07.2010 | Dies&Das
Wie alles anfing (Teil1)
In diesem Bericht, den ich aufgrund der Länge auf mehrere Beiträge verteilen werde, möchte ich Ihnen zeigen, wie bei mir das Interesse am Trading und an der Börse überhaupt geweckt wurde. Wenn es Sie darüber hinaus interessiert, was ich alles in den vergangenen Jahren erlebt habe, und welche Fehler mir am Anfang an den Märkten unterlaufen sind, kommt diese Serie für Sie gerade recht. Teil 1 zeigt zunächst die Anfänge meiner “Börsenlaufbahn”.
Es begann im Herbst 2001, kurz nach den verheerenden Terroranschlägen in New York des 11. Septembers. Bei einem Seminar über Fondsgebundene Lebensversicherungen in Abtenau (Salzburg), wurde mein Interesse für die Kapitalmärkte geweckt. Heute kann ich mich nicht mehr an die Details dieses Seminars, das mir damals von meinem Arbeitgeber angeboten wurde, erinnern, habe aber sehr wohl noch eine Aussage des Vortragenden gut im Ohr, die alles im meinem Leben verändern sollte. Es ging dabei um die Fonds des Hauses (einer sehr großen, internationalen Versicherung). Der Referent meinte, dass die Fondmanager nicht in Österreich sitzen würden sondern dort, wo sich das Geschehen an den Finanzmärkten dieser Welt abspiele: In New York, Zürich, London oder Tokio. Und deswegen waren sie hautnah am Puls der Märkte, und konnten rasch die richtigen Entscheidungen treffen, und damit sei das Geld der Anleger in guten Händen.
Ich war fasziniert und hatte das Bild der geschniegelten Fondsmanager in ihren Nadelstreifanzügen genau vor mir. Ja, diese Jungs würden wissen, dachte ich, wie man mit Geld umgeht, und ich wollte daher unbedingt möglichst viele solcher Fondsanteile kaufen. Das Problem dabei war nur: ich hatte wenig Kapital auf der Seite, und so kam mir die Idee, einen Kredit aufzunehmen. Die Zinsen für das Darlehen wollte ich mit den Gewinnen begleichen, denn der Referent meinte, nach den Kursrückgängen der Jahre 2000 und 2001 würden die Märkte in den nächsten 10 Jahren garantiert 6 oder 7 Prozent per anno steigen. Die Differenz, so dachte ich, die übrig blieb, würde ich einstecken. Börse war scheinbar einfach, und ich würde vom Aufschwung profitieren und reich werden.
Zum Glück gab es jemanden in meinem Umfeld, der noch etwas Bodenhaftung besaß und der die Dinge real beurteilte. Es war meine Lebensgefährtin Marianne, die mich darauf hinwies, dass ein Kauf der Fonds auf Kredit bestimmt nicht den richtigen Weg darstellen würde. Aus heutiger Sicht kann ich ihr nicht oft genug dafür danken, denn wenn ich mir den Kursverlauf der großen Indizes in den letzten Jahren ansehe, wäre das Ganze wohl nicht so aufgegangen, wie ich eigentlich gedacht hätte. Und ich weiß nicht, wie ich aus emotionaler Sicht mit den zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen umgegangen wäre, wenn das eingesetzte Geld nicht mein eigenes gewesen wäre.
In jedem Fall hatte ich damals den Antrag auf die Fonds, die rechtlich über eine Versicherung liefen, schon fertig ausgefüllt, nur eben aufgrund meiner eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten mit einer geringeren Sparrate. Bevor ich alles unter Dach und Fach brachte, wollte ich noch einmal mit dem Referenten reden, griff zum Telefon und rief ihn an. Ich wollte mich vergewissern, dass meinem Geld nichts passieren konnte, denn natürlich wählte ich die Variante mit dem größten Aktienanteil (im Prospekt stand das schöne Wort „dynamisch“) und damit jene Möglichkeit, die mit dem größten Risiko behaftet war.
In diesem Telefongespräch fiel ein weiterer markanter Satz, an den ich mich gut erinnere und der erneut alles für mich ändern sollte: auf meine Frage, ob rein theoretisch mein Geld auch zur Gänze verloren gehen könnte, antwortete er ehrlich, dass dies tatsächlich möglich, wenn auch unwahrscheinlich wäre. Kapitalgarantie koste Performance, und bei der von mir gewählten Variante der Versicherung läge das Hauptaugenmerk am Ertrag, meinte er, und ich verstand natürlich nicht, was er damit sagen wollte. Jedenfalls hatte er meine Zweifel erneut genährt, und so wälzte ich mich in der darauf folgenden Nacht hin und her in meinem Bett, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte.
In meinem Umfeld konnte ich niemand fragen, denn keiner meiner Freunde oder Bekannten hatte bisher direkte Erfahrungen mit Aktien oder Börse gemacht. Trotzdem wusste ich nach einer schlaflosen Nacht am nächsten Morgen, dass so eine Versicherung doch nicht das richtige für mich war. Wenn das Geld wirklich weg sein könnte, dachte ich, dann kann ich es auch selbst gleich durchbringen, und so nahmen die Dinge ihren Lauf…
Meine Entscheidung stand fest: ich wollte auf eigene Faust an den Märkten agieren und hatte vor, mir das nötige Wissen selbst anzueignen. Durch Zufall kam ich mit einem Kollegen in der Firma ins Gespräch, der auch auf eigene Faust investierte, und der empfahl mir einige Börsenzeitschriften, in die ich mich einlesen sollte. Gesagt – getan, ich kaufte alle Hefte, die ich bekommen konnte, und vertiefte mich in die Beiträge.
In diesen Magazinen wurden diverse Kaufempfehlungen ausgesprochen und ich konnte es kaum erwarten, das scheinbar auf der Straße liegende Geld einzusammeln. Unter anderem las ich, dass AOL Time Warner die Harry Potter Filme rausbringen würde, und dass deswegen die Aktien bestimmt steigen würden. Ich las, dass Silber das Edelmetall der Zukunft sei, und das auch Warren Buffet (den ich damals nicht kannte) und Bill Gates (den kannte ich) in Silber investiert waren. Auch auf eine neue Floskel oder Formulierung stieß ich immer wieder in diesen Publikationen: „strong buy“, doch damals fiel mir leider nicht auf, dass es eigenartigerweise nie ein „strong sell“ in diesen Heften zu lesen gab.
Jedenfalls hatte ich nun schon genug potentielle Kaufkandidaten und genau genommen waren es mehr, als ich Geld hatte. So musste ich mich als nächstes um einen Broker umsehen, und nach einigem hin- und her war das Online Depot eröffnet. Auswendig wusste ich es nicht mehr, aber ich konnte mit den Tools des Brokers rekonstruieren, dass mein Konto am 21.3.2002 kapitalisiert wurde. Rasch machte ich mir eine Liste mit den Unternehmen, von denen ich Aktien kaufen wollte. Da ich konservativ bleiben wollte, würde ich mich, schwor ich mir, an die Blue Chips halten, und nur Anteile von renommierten, großen Firmen kaufen.
Doch leider hatte ich damals meine Emotionen noch nicht ganz unter Kontrolle. Ich war einfach gierig und dachte, dass ich wohl doch ein wenig zocken müsste. So entschied ich mich dafür, mich bloß in fünf verschiedene Unternehmen einzukaufen und mit der sechsten Aktie etwas mehr zu riskieren. Welche Blue Chips das waren? ALO – Time Warner, Microsoft, Johnson & Johnson, Bombardier und die AXA Versicherung. Und welcher Nebenwert? Dabei möchte ich Sie auf den zweiten Beitrag vertrösten, der hier in der trading redaktion in naher Zukunft erscheinen wird. Darin erfahren Sie unter anderem, warum ich, obwohl ich eigentlich investieren wollte, alleine ungefähr 400 Euro an Orderlöschgebühren in nur einem Jahr zahlen musste (!) und das man einer Aktie nie hinterherlaufen darf.
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