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28.01.2010 | Dies&Das
Pressespiegel - Swingtrading in der Praxis
Im Dezember erhielt ich von der Redaktion des Printmagazins “Anwalt Aktuell” ein Angebot, für deren Leserschaft einen Beitrag über das Trading zu verfassen. Ich ließ mich natürlich nicht lange bitten und stellte einen Mustertrade zur Verfügung. Lesen Sie den Beitrag hier …
Ist die Finanzkrise wirklich ausgestanden?“ Buy and Hold” ist tatsächlich
tot? Beides ist schwer zu sagen, aber zumindest könnte man es glauben, wenn man
manche Experten derzeit nach langfristigen Investmentchancen befragt. Zu heiß scheinen die Märkte vielen bereits wieder, um derzeit noch günstige Einstiegsmöglichkeiten zu finden. Doch es muss ja nicht immer langfristige Geldanlage sein. An den Börsen bieten sich auch kurz- und mittelfristig gute Chancen, aber nur wenn man weiß, wie man das anstellt.
Damit man die vorhandenen Möglichkeiten nutzen kann, ist es Unabdingbar, mit einem durchdachten Plan zu arbeiten. Wir sind nun bei der Arbeit eines Traders angelangt, der sowohl mit steigenden als auch mit fallenden Kursen an
den Börsen Geld verdienen kann. Ein paar Tipps, Strategien und Gedanken diesbezüglich möchte ich Ihnen im nachfolgenden Mustertrade präsentieren:
Sie sehen hier den Tageschart von Alcoa (Ticker: AA) aus den USA. Seit Monaten ist bei diesem Wert ein klarer Aufwärtstrend erkennbar, der sich aber in den letzten Wochen etwas abgeschwächt hat.

Wie in der Einleitung bereits erwähnt wurde, geht es bei dieser Strategie nicht darum,
die Aktie über Monate oder Jahre zu halten. Vielmehr wollen wir aus den kurzfristigen
Kursschwankungen einen Vorteil erzielen. Der Trader versucht daher, sich auf den
nächsten Bewegungssschub innerhalb des Trendverlaufs zu konzentrieren. Bei diesem
Handelsansatz, im Fachjargon „Swingtrading“ genannt, geht es darum, die Bestandteile eines Trends, die „Bewegung“ (Kursverlauf in Richtung des Primärtrends) oder die „Korrektur“ (Kursverlauf gegen den Primärtrend) zu handeln, und den Wert nach einigen Tagen mit Gewinn wieder abzustoßen.
Alcoa könnte nun nach einigen Tagen „Korrektur“ einen Punkt erreicht haben, an dem
der Kurs wieder nach oben dreht und in eine neue „Bewegung“ übergeht. Diese mögliche Marktumkehr erkennt der Trader unter anderem an der vorletzten grünen Kerze, die einen “Umkehrstab” repräsentiert. Diese Umkehrstäbe sind oft ein erstes Anzeichen für eine wieder gewonnene Stärke oder Schwäche (Umkehrstäbe gibt es long und short) einer Aktie. Weiter untermauert wird der bevorstehender Swing
dadurch, dass die letzte Kerze über einen besonders kleinen Kerzenkörper („Narrow Bar“) verfügt, was ebenfalls ein Vorbote einer Umkehr sein kann (der Markt „bremst“ bevor er dreht).
Die Gelegenheit wurde nun identifiziert, und nun geht es im konkreten Fall vorbörslich
noch darum, ein duplizierbares Einstiegssignal zu finden. Die Duplizierbarkeit von „Set
Ups“ ist deswegen für einen Händler wichtig, weil er so weitgehend emotionslos agieren kann. Er weiß natürlich auch bei einem klug gewählten
Entry im Vorfeld nicht, ob der Trade aufgehen wird. Er weiß aber, was er zu tun hat, weil es ihm sein Regelwerk vorgibt. Er ist damit der Mehrheit jener Trader voraus, die ausschließlich aus dem Bauch heraus handeln, und weder ihr Risiko begrenzen noch ihre Emotionen im Griff haben.
Swingtrading bietet vor allem aber den Vorteil, dass einem das Aussitzen der „Korrektur“ erspart bleibt, weil man zu diesem Zeitpunkt ohnehin bereits wieder flat (ohne Position) ist. Man muss somit nicht ansehen, wie bereits angelaufene Papiergewinne dahinschmelzen. Natürlich schafft es auch bei dieser Strategie kein Trader, genau am Tief einer neuen Bewegung zu kaufen und am Hoch zu verkaufen. Es geht hier auch nur darum, die sicheren Punkte in der Mitte eines Swings mitzunehmen, denn die ersten und die letzten Punkte einer Bewegung sind an den Märkten bekanntlich die teuersten.
Ich vertrete stets die Meinung, dass auch mit beliebig gewählten Einstiegen Geld an den Märkten verdient werden kann, wenn die flankierenden Maßnahmen stimmig sind. Das Regelwerk hinsichtlich des Entrys dient dem Trader in erster Linie nur dazu, sich selbst zu disziplinieren. Natürlich versucht er, mit einem durchdachten Einstieg einen kleinen statistischen Vorteil zu erlangen, doch hauptsächlich geht es darum, sich nicht in den unendlichen Möglichkeiten der Kursverläufe zu verlieren.
Das Regelwerk sagt also zunächst, wann die Position eröffnet wird. In diesem Fallgeschieht das beim Hoch des Vortages (Kursmarke 12,98). Sobald der Kurs an diese Stelle aufläuft, wird die im Markt liegende Order aktiviert. Mittels einer Kettenorder wird zeitgleich auch Stopp 1, im Fachjargon „der Initialstopp“ aktiv, und der Trade ist somit positioniert und abgesichert. Stopp 1 dient daher für den Worst Case, und ist für einen Trader unerlässlich. Diese Risikokontrolle wird am Tief des aktuellen Handeltages bei 12,75 gesetzt, und greift in dem Fall, wenn die Aktie von Anfang an gegen die angedachte Richtung läuft.
Den Abstand zwischen Entry und Stopp 1 nennt man 1 R (oder – 1R) und dieser Wert ist eine Variable. 1 R ist in Prozenten gesehen immer unterschiedlich groß, in absoluten Beträgen hingegen wird jedoch immer gleich viel Geld eingesetzt. Wie das funktioniert? In dem man die Anzahl der gehandelten Aktien, also die Positionsgrößen, an den Entry und den Stopp 1 anpasst. Dieses „R“ steht übrigens für „Risiko“ und ist ein Betrag, den man im Vorfeld des Trades bereit ist, zu riskieren. In Prozent ausgedrückt beträgt 1 R in diesem Trade 1,77.
Zur Art und Weise, wie man angelaufene Gewinne sichert, gibt es unzählige Meinungen und Vorschläge von Experten. Meine bevorzugte Vorgehensweise liegt darin, den Stopp täglich charttechnisch nachzuziehen. Im konkreten Fall bedeutet das: unter dem Tief des jeweils letzten Handelstages. So ist es möglich, die Gewinne zu steigern, und den Trade nicht vorzeitig glattzustellen.
Man holt auf diese Art und Weise fast alles aus einer Kursbewegung heraus und bleibt solange positioniert, bis der Wert erneut umkehrt. Läuft der Trade, hat man leider keine Möglichkeit, zu seinem Gelingen beizutragen. Lediglich die Entscheidung, wann man wieder aussteigt, obliegt dem Trader. Aber gerade hier passieren die meisten Fehler, denn die einfachsten Trades sind die, die von Anfang an gegen den Trader laufen.

Der reife Trader weiß also bereits im Vorfeld, wie groß sein Verlust bei dieser Position sein wird, wenn sich der Wert anders entwickelt als gedacht. Im Fall von Alcoa aber muss man sich darüber keine Gedanken machen, denn die Rechnung geht voll auf. Ab Tag 1 steigt der Wert, als ob es kein Morgen an den Börsen gäbe. Stopp 1 war nie wirklich in Gefahr.
Die Kursbewegung hält über volle 4 Tage an und am Tag 5 wird dieser Trade (etwas unglücklich) mit einem Gewinn von 6,66 R ausgestoppt. Trades wie dieser kommen nicht alle Tage vor, doch ist man in so einem Wert richtig positioniert, gilt es die Gewinne laufen zu lassen und nicht zu früh die Profite einzustecken.
In meinen Seminaren und Coachings erlebe ich bei meinen Klienten immer wieder, wie schwer Trading aus mentaler Sicht ist. Und die größte Herausforderung liegt sicherlich darin, einen in den Gewinn gelaufenen Trade emotionslos zu begleiten. Am wenigsten bereiten daher jene Positionen Kopfschmerzen, die -1 R verlieren (sofern Stopp 1 eingehalten wird). Problematisch wird es, wenn sich Gewinne akkumulieren, denn dann kommt der Faktor Mensch ins Spiel. Beim Trading ist dieser Faktor leider eine große Schwachstelle.
Dieser Beitrag erschien in Anwalt Aktuell.
Hinweis
Die auf dieser Seite beschriebenen Trades dienen weder dazu, ein öffentliches Trading Konto zu führen noch meine Performance darzustellen. Viel mehr geht es mir darum zu zeigen, wie mein Handelsansatz funktioniert und welche Gedanken ich mir bei den einzelnen Trades mache. Letztlich soll auch ein Einblick in mein Trade- und Risikomanagement gegeben werden. Hinweisen möchte ich noch darauf, dass die beschriebenen Methoden und Techniken keineswegs als Handelsvorlage dienen sollen. Bitte entwickeln Sie Ihr eigenes Handelssystem.
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