20.05.2010 | Dies&Das

Kampf der Spekulation

Eben habe ich einen sehr interessanten Beitrag von Roger Peeters, Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG gefunden. Der Artikel erschien u.a. auf www.onvista.de und deckt sich voll mit meiner Meinung zum Thema “Einschränkung der Spekulation”. Derzeit erleben wir ja fast schon eine Art Hexenjagd auf uns Trader, doch die wenigsten wissen, wie der Hase wirklich läuft…

Die Bundesregierung macht Ernst: Mit einem vielfältigen Maßnahmenpaket hat die Bundesregierung über Nacht uns im nationalen Alleingang der Spekulation an den Finanzmärkten den Kampf angesagt: Mit dem über Nacht und ohne Vorwarnung eingeführten Verbot von ungedeckten Leerverkäufen von Staatsanleihen der Euro-Länder oder bestimmter einzelner Finanzaktien will die Regierung ebenso ein deutliches Zeichen setzen wie mit der parallel angekündigten Prüfung einer Finanztransaktionssteuer, deren Ausgestaltung sowohl in der Höhe als auch in der Form und Nachhaltigkeit ihrer Erhebung noch vollkommen ungewiss ist.

Das Zeichen, welches mit dieser Über-Nacht-Aktion gesetzt werden sollte, hat gewirkt. Die Finanzmärkte zeigten sich auch über die Landesgrenzen hinweg ausgesprochen verunsichert, wobei dies wohl eher der mitunter wirklich wirksamen (im Sinne von Handel eindämmenden und Investoren belastenden) Transaktionssteuer als dem Leerverkaufsverbot zuzuschreiben ist, auch wenn es in der Presse oft genau andersherum dargestellt wurde. Dieser Akt der Autorität verfehlte aber auch seine Wirkung in den Medien und der breiten Bevölkerung nicht. Maßnahmen gegen die mittlerweile ausgesprochen ungeliebte Finanzwirtschaft sind zum Stimmenfang fast schon so sichere Bänke wie drakonische Strafen gegen Schwerverbrecher.

Doch was nutzen all diese politischen Erfolge, die Regierungs- oder Oppositionsparteien erreichen oder zumindest anstreben, wenn den Grundproblemen der Gesellschaft nicht entschlossen begegnet wird? Natürlich kann man den spekulativen Handel mit Staatsanleihen bekämpfen, aber man soll nicht meinen, dass man damit das Problem der völlig aus dem Ruder geratenen Verschuldung der westlichen Industrienationen irgendwie löst oder zumindest bekämpft.

Wenn beispielsweise Griechenland niemand findet, der dem Land noch Kredit gewährt, dann wird es brenzlig. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer ordnungsgemäßen Haushaltspolitik und nichts anderem.

Das an dieser Stelle schon mehrfach genutzte Sprachbild des Junkies (Staat, Volkswirtschaft insgesamt), dessen Drang nach einem Rauschmittel (Liquidität, i.d.R. über Schulden) immer nur mit einer noch höheren Dosis Rauschmittel, aber nie mit einer ernsthaften Therapie begegnet wird, trifft auch hier zu. Stück für Stück versündigen wir uns alle (der Staat sind nun mal nicht nur die Politiker, sondern alle Bürger) an der nächsten Generation, wenn die maßlose Schuldenorgie kein baldiges Ende findet. Dass ein Ende kommt ist zwangsläufig, wie die Geschichte lehrt: Irgendwann ist das Schneeballsystem an seinem Ende angelangt und niemand gibt den Staaten (oder US-Konsumenten oder hoch verschuldeten Unternehmen) mehr Geld. Wie schnell das gehen kann, sollte seit dem Beispiel Griechenland jedem bewusst sein. Wenn findige Politiker nun meinen, dieser Sackgasse zu entgehen, indem die Notenbank als vor dem Gesetz unabhängige Hüterin der Geldwertstabilität nun die ganzen Schulden finanziert, wird das Volk auf einen noch gefährlicheren Pfad geführt: Den der nachhaltigen Geldentwertung, sprich Inflation.

Vor dem Hintergrund dieses hier nur grob angerissenen, aber überaus existenten Problems sind die Nebelkerzen, die mit der ‘Bekämpfung von Spekulation’ gezündet werden, irreführend und eben deshalb sogar gefährlich. Kaum jemand hat ernsthaft etwas gegen etwa ein Verbot von ungedeckten Leerverkäufen einzuwenden. Aber diese Handelspraktik ist mal ganz sicher nicht die Ursache der Finanzkrise. Das Verbot folglich auch nicht die Lösung des eigentlichen Problems.

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© 20. Mai 2010/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der auf mittelständische Unternehmen fokussierte Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der ‘Platow Börse’ und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm ‘Finde die richtige Aktie – ein Profi zeigt seine Methoden’ im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

Quelle: www.onvista.de

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